Bildung

Mittwoch, 4. November 2009

Schule der Zukunft funktioniert schon jetzt!

Montessorischule-Pragerstrasse_3-11-2009Es gibt auch Motivierendes zu berichten aus dem österreichischen Schulwesen. Sowohl in öffentlichen als auch im privaten Schulen gibt es erstaunlich positive Beispiele. Das motiviert. Einen solchen Motivationsschub habe ich gestern in der Montessorischule Pragerstraße in Wien erhalten. Hier kann man hautnah erleben, was engagierte PädagogInnen schon jetzt erreichen. Diese Montessori-Schulen wird als Volksschule und Sekundarschule geführt und wird von der Gründerin Mag. Brigitta Weninger geleitet. Tolle und meist selbst hergestellte Materialien, SchülerInnen, die selbstständig einen ganzen Tag arbeiten, LehrerInnen, die 38,5 Stunden in der Woche an der Schule sind und danach auch wirklich frei haben (keine Korrekturen oder Vorbereitungen zuhause etc.). In der Pragerstraße gibt es keine unbegrenzte Freiheit, sondern klare Regeln, Freiraum unter klaren Rahmenbedingungen. Selbstdisziplin und Verantwortung - diese Ziele der Montessori-Pädagogik spürt man hier.
In einem abschließenden Gespräch mit SchülerInnen hauptsächlich der 12. Schulstufe, Eltern und LehrerInnen konnte ich mich von der Reife der hier ausgebildeten Jugendlichen überzeugen. Da wird nichts als gegeben hingenommen, da wird nachgefragt, da werden aber auch die Regeln einer Diskussion beachtet. Ja, hier sind im Sinne von Maria Montessori wirklich selbstbewusste und eigenverantwortliche Persönlichkeiten herangewachsen. Schule kann funktionieren, Schule kann für LehrerInnen und SchülerInnen spannend sein, Schule muss auch nicht Stress bedeuten - aber man muss sie von bürokratischen Fesseln befreien!

Dienstag, 3. November 2009

„Bildung statt Ausbildung“

Unter diesem Motto protestieren StudentInnen gegen die Bildungspolitik. Und sie sind nicht allein. Vor einigen Tagen waren es die KindergärtnmerInnen, die in einer großen Demonstration in Wien massiv auf den Reformstau im vorschulischen Bereich hingewiesen haben. Proteste von Eltern und LehrerInnen sind schon fast an der Tagesordnung. Und derzeit sind es die StudentInnen, die ihren Protest zurecht nicht an einzelnen Problemen aufhängen, sondern eine große Bildungsdiskussion einfordern. Im Kindergarten, im Schulwesen und im Bereich der Universitäten – überall weisen internationale Studien Österreich massiven Investitions- und Nachholbedarf nach. Demonstrationen sind offensichtlich das einzige Mittel, um die Missstände auch hierzulande aufzuzeigen.
Und es ist die „Basis“, die da protestiert: Das Institut für Jugendkulturforschung hat eine Umfrage veröffentlicht, die zeigt, dass die Proteste zu Dreiviertel von Studierenden getragen werden, die keiner hochschul- oder parteipolitischen Organisation angehören. Es ist also offensichtlich, dass die ÖH und die StudentInnenorganisationen kaum einen Einfluss auf das Geschehen im Audimax der Universität Wien haben. Es handelt sich um eine spontane Bewegung von Betroffenen, die nicht auf ihre Interessensvertretung warten, sondern selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Im Zentrum der Kritik steht die Bildungspolitik der Europäischen Union, die das Studium „in erster Linie den Verwertungsinteressen der Wirtschaft unterordnet und auf die persönlichen Bildungsinteressen und Bildungsziele des Einzelnen“ vergesse. Auch dem zunehmenden Einfluss großer Unternehmen auf die Universitäten (man denke an die „Drittmittelforschun “) stehe die große Mehrheit der Protestierenden ablehnend gegenüber: „Verlangt wird eine vom Staat ausfinanzierte und damit von der Wirtschaft unabhängige Universität. Daneben sind das Verhindern von Zugangsbeschränkungen und die langfristige Verhinderung von Studiengebühren die wichtigsten Forderungen der Basis der Bewegung.“
Bildung ist nämlich mehr als nur „Ausbildung“ - und auch um deren Zustand ist es in Österreich nicht eben gut bestellt.

Sonntag, 1. November 2009

Wir brauchen die Ganztagsschule!

Drei von vier LehrerInnen sind ohne Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen bereit, an einer „echten“ Ganztagsschule zu unterrichten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter mehr als 1000 LehrerInnen in Vorarlberg. Auf die Frage „Wären Sie bereit, in ganztägig geführten Schulen zu unterrichten, sofern keine längere Anwesenheitspflicht besteht?“ haben 76,5% mit „Ja“ und nur 16,1% mit „Nein“ geantwortet, der Rest hat keine Antwort gegeben.
Was leistet eine Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht? Sie bietet den Eltern nicht nur die gesicherte Betreuung der Kinder am Nachmittag, das tun Horte auch. Ganztagsschulen erlauben es, die Hochleistungsphasen der Kinder am Vormittag und am Nachmittag zu nutzen, den Tagesablauf in der Schule kindgerecht zu gestalten, flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und allen Kindern gleichermaßen die notwendige Unterstützung bei der Bewältigung der schulischen Anforderungen zu bieten.
Kinder in Ganztagsschulen mit verschränktem Unterricht haben keine Schultaschen. Sie nehmen keine Arbeit mit nachhause. Das tägliche Hausaufgabendrama zuhause mit den Eltern, unter Anleitung älterer Geschwister oder gar teuer bezahlt in externen Instituten entfällt. Nach der Schule haben die Kinder tatsächlich frei. Sie können entweder von den schulischen Angeboten wie Sport- oder Musikunterricht Gebrauch machen, gemeinsam mit ihren Eltern andere Freizeitangebote nutzen oder einfach nichts tun.
Die räumliche Ausstattung einer Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht ist natürlich eine andere als bei einer reinen Vormittagsschule. Eine Schulküche mit angeschlossener Mensa für SchülerInnen und LehrerInnen ist notwendig. Kinder sollen nicht den ganzen Tag in einem Klassenraum verbringen. Freizeiträume, Erholungsbereiche, Rückzugsmöglichkeiten, Sportanlagen und Freiflächen und nach Möglichkeit ein großer Garten, bieten eine abwechslungsreiche und anregende Umgebung.
Die für Kinder besonders gut geeignete Form des verschränkten Unterrichts bleibt bei der Realisierung dieses Vorschlags hauptsächlich jenen Kindern vorbehalten, deren Eltern sich diese Form des Unterrichts leisten können. Nicht umsonst bieten bereits heute viele Privatschulen den verschränkten Unterricht an. Er wird von den Eltern gefordert, weil er für die Kinder am besten geeignet ist. Wo eine Wahlmöglichkeit besteht, gibt es auch immer Selektion anhand sozialer Kriterien. Im öffentlichen Schulsystem, vor allem in der Pflichtschule, hat diese Selektion nichts verloren.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Baustelle Universität

Wer hätte das gedacht? Im ruhigen Österreich regt sich Protest. Der meist sensibelste Teil der Bevölkerung sind Studierende. Sie spüren aus mehreren Gründen gesellschaftliche Veränderungen, Krisen, Defizite etc. zuerst. Das gilt auch für die jetzige Protestaktion. Heute riegelten mindestens zehntausend Studierende - die Polizei zählt ja meist sehr konservativ - mit ihrem Zug unter dem Motto „Mehr Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne“ die Wiener Innenstadt ab. Auch in anderen heimischen Unistädten kam es zu Protesten.
Der Protest ist dringend notwendig: Bildung ist keine Ware! Alle internationalen Studien und Vergleiche zeigen, dass Österreich zu wenig Studierende hat. Die Steigerungsraten der Abschlüsse liegen in Österreich mit 3.7% signifikant unter dem OECD Schnitt. Irland, Polen, Portugal, Spanien und Türkei weisen Steigerungsraten über 7% auf. Mit einem Prozentsatz der 25 – 34 Jährigen, die einen Abschluss im Tertiärbereich aufweisen, liegt Österreich auf Platz 30 von 36 Nationen. Nur 20% verfügen über diesen Abschluss der im EU Schnitt 35% beträgt. In der Altersgruppe 25 – 64 Jahre liegt Österreich mit 17% wieder deutlich hinter dem EU Schnitt von 27%.
Auch wenn die feinen Herrschaften wie „Fast-Kommissar“ und Noch-Wissenschaftsminister Hahn die Nase rümpfen: Das Anliegen der Studentenschaft ist nicht diffus, sondern klar. Die Uni-Politik ist eine riesige Baustelle. Die finanzielle Ausstattung der Universitäten ist nicht ausreichend. Es muss Schluss sein mit der Unterfinanzierung der Unis und der FHsEs braucht eine nachhaltige Finanzierung des Bedarfs mit dem Ziel, bis 2020 2% des BIP zu sichern.

Samstag, 24. Oktober 2009

Die Schule braucht Visionen!

In den letzten Wochen hat sich in Sachen Bildung einiges getan bei uns Grünen. Im September wurde das vom Erweiterten Bundesvorstand beschlossene Bildungsprogramm in gedruckter Form vorgestellt. Jetzt gibt es sehr unterschiedliche Thesen zum Thema auf der Diskussionsplattform für den Zukunftskongress. Für Eva Glawischnig „ist das ein Experiment“, dessen Ausgang noch nicht absehbar ist. Welche Partei traut sich das, außer uns? Da ist viel Spannendes dabei.
Aber – weil ich schon etliche Anfragen bekommen habe – es handelt sich natürlich um Visionen einzelner Grüner Menschen und nicht um unser Parteiprogramm. Einiges schaut für mich überhaupt utopisch aus. Nur ein Beispiel: Dass SchülerInnen und LehrerInnen den Zeitpunkt ihrer Ferien individuell wählen können, wird sich wohl nicht verwirklichen lassen. Ein Thema könnte das allenfalls in der Sekundarstufe II sein, wenn die Schule auf unser Modulsystem umgestellt ist.
Fünf Wochen Ferien für LehrerInnen halte ich für viel zuwenig: Die Belastung von PädagogInnen ist schon jetzt gewaltig, eine Verschlechterung der Urlaubsregelung derzeit daher abzulehnen (was wir im Parlament übrigens bei einem BZÖ-Antrag auch gemacht haben). Eine andere Verteilung der Ferien hingegen wäre eine Diskussion wert. Dass die Schule für Betreuung auch am Samstag offen hat – der Unterricht für LehrerInnen und SchülerInnen soll am Freitagmittag enden – ist aus meiner Sicht eine Vision, die nicht umgesetzt werden sollte. Aber diskutieren darf man natürlich darüber.
Insgesamt ist es sehr positiv, wenn man ohne jeden Zwang diskutieren kann – was davon auch umsetzbar ist, steht natürlich auf einem anderen Papier.

Freitag, 23. Oktober 2009

Ein Hilfeschrei aus der Schule!

Es liegt vieles im Argen im österreichischen Schulsystem. Die jetzige Diskussion über mehr Sanktionsmöglichkeiten ist nur ein Symptom dafür, die wirklichen Ursachen liegen viel tiefer. Mehr Sanktionsmöglichkeiten werden die Probleme daher nicht lösen können. Wir brauchen grundlegende Reformen. Die „Presse“ hat mir die Möglichkeit eines Gastkommentars zu diesem Thema eingeräumt: „Ein Hilfeschrei aus der Schule!

Montag, 19. Oktober 2009

Ganztagsschule - endlich im 21. Jahrhundert ankommen!

Josef Pröll hat letzte Woche so getan, als sei seine ÖVP im 21. Jahrhundert angekommen und behauptet, er wolle die Ganztagsschule fördern. Ein PR-Erfolg war ihm sicher. Bei genauerem Hinsehen musste man feststellen, dass er die jetzige Halbtagsschule weiterführen will und nur Nachmittagsbetreuung meint. Was in Skandinavien, Kanada, den USA, Frankreich oder Großbritannien selbstverständlich ist, bleibt bei uns einer dünnen Schicht vorbehalten.
Ich habe heute deshalb mit ElternvertreterInnen unser Modell vorgestellt. Der Vorteil: Es wird an einigen Schulen schon praktiziert - etwa an der Wiener Ganztagsvolksschule Asperallee. Hier gibt es „verschränkten Unterricht“ - also die pädagogisch sinnvolle Abfolge von Lern-, Übungs- und Erholungsphasen. Das ermöglicht eine neue Lehr- und Lernkultur, die Förderung von Interessen des einzelnen Kindes, von Selbstständigkeit und Freude am Lernen. Und man lässt Kindern genügend Zeit zur Entwicklung.
Konservative SchulpolitikerInnen fordern eine Wahlfreiheit zwischen verschränktem Unterricht, Nachmittagsbetreuung und reinem Vormittagsunterricht am selben Standort. Wer Betreuung möchte, muss diese dann auch bezahlen. Die „Wahlfreiheit“ ist somit immer mit der Kostenübernahme durch die Eltern verbunden. Echte Wahlfreiheit besteht nicht.
Die für Kinder besonders gut geeignete Form des verschränkten Unterrichts bleibt bei der Realisierung dieses Vorschlags hauptsächlich jenen Kindern vorbehalten, deren Eltern sich diese Form des Unterrichts leisten können. Nicht umsonst bieten bereits heute viele Privatschulen den verschränkten Unterricht an. Er wird von den Eltern gefordert, weil er für die Kinder am besten geeignet ist. Wo eine Wahlmöglichkeit besteht, gibt es auch immer Selektion anhand sozialer Kriterien. Im öffentlichen Schulsystem, vor allem in der Pflichtschule, hat diese Selektion nichts verloren.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Disziplin in der Schule - ein heißes Thema!

In den letzten Tagen habe ich eine Vielzahl von Mails bekommen. Anlass war meine Stellungnahme zu den Förderungen der Fraktion Christlicher Gewerkschafter nach mehr Sanktionsmöglichkeiten: „Kein Zurück zur Rohrstaberl-Pädagogik“.
Einige Überlegungen zum Thema: Natürlich muss eine Lehrperson auch Sanktionsmöglichkeiten haben. Das bestreitet niemand. Wenn aber die Probleme an den Schule zunehmen (und das ist aus vielen Reaktionen zu spüren), dann muss auch nach den Ursachen gefragt und nach Lösungen gesucht werden, die nicht (nur) in Sanktionen bestehen können. In anderen Ländern hat man bspw. mit verstärkter Schulsozialarbeit, Schulpsychologie etc. einigen Druck aus dem System Schule herausgenommen.
Natürlich gehören auch Sanktionen zu jedem Erziehungsprozess. Ich verstehe den Frust viele LererInnen, die sich sich mit den Problemen alleingelassen fühlen. Meist befürworten sie zwar die von uns vorgebrachten Vorschläge, halten sie aber für „Zukunftsmusik“ und wollen ihre konkreten und akuten Probleme gelöst wissen. Aber wie? Auch die Herren von der Christlichen Gewerkschaft vermeiden den Hinweis, was sie konkret verlangen (die „gsunde Watschn“? Nachsitzen? …). In Österreich ist die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung von Erziehungszielen verboten. Gesetzliche Grundlage bildet das Jugendwohlfahrtsgesetz.
Was also kann kurzfristig getan werden? Zum einen gibt es die gesetzlich vorgesehenen Erziehungsmittel (das „Nachholen versäumter Pflichten“, die - zugegeben oft unwirksame - Verhaltensnote, die Vorladung der Erziehungsberechtigten, die Versetzen in die Parallelklasse …). Zum anderen gibt es für Problemfälle Vorschläge wie das „timeout“ - „ProblemschülerInnen“ verlassen für eine kurze oder längere Zeit ihre Klasse und haben die Möglichkeit zur Besinnung und Neuorientierung. In diese Richtung werden wir alle nachdenken müssen.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Kindergarten-Schlamassel

Kindergarten-PädagogInnen und Eltern wehren sich gegen die seit Jahrzehnten vorhandene Geringschätzung eines der wichtigsten Berufe. Am Samstag kommt es in Wien daher zu einer Demonstration. Forderung: Verbesserung der Situation in den Kindergärten:
Kindergarten_Demo
Ich habe heute Abend vier Stunden an einer sehr spannenden Veranstaltung teilgenommen – dem „1. Österreichischen Kindergartengipfel“. Toll, was meine Kollegin Daniela Musiol da organisiert hat. Ich möchte nur einen Aspekt herausgreifen: Den Kindergarten als Bildungseinrichtung haben wir nämlich im Bildungsprogramm besonders betont.
Wenn es stimmt, dass die entscheidenden Grundlagen für die Lernfähigkeit eines Menschen im frühen Kindesalter gelegt werden, dann hat das bestehende Bildungssystem einen kapitalen Konstruktionsfehler. Denn „unten“ – also in Kindergärten und Volksschulen – befinden sich die kürzest ausgebildeten, sozial am wenigsten angesehenen und schlechtest bezahlten Pädagoginnen und Pädagogen. Je weiter wir hingegen hinaufkommen – also in jene Bereiche, in denen bereits eine Selektion der Schülerinnen und Schüler zugunsten der angeblich mehr Begabten und meist auch sozial Wohlhabenderen stattgefunden hat –, desto besser ausgebildet, sozial angesehener, besser bezahlt und – kein Zufall – männlicher wird das Personal.
Die Ressourcenpyramide des Bildungssystems bildet damit passgenau die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse nach: Wer schon hat, dem wird noch einmal kräftig gegeben. Gleichzeitig jedoch verschüttet ein solches System die Potenziale, die es eigentlich eröffnen müsste – nicht nur jene der Schülerinnen und Schüler, sondern genauso die der Pädagoginnen und Pädagogen. Denn unten, also in Volksschulen und Kindergärten, befinden sich fast nur noch Frauen, weil sich die Männer solche Jobs erst gar nicht mehr antun wollen. Damit reproduziert das Bildungssystem schon an seinem Eingang ein einseitiges Verständnis von Geschlechterrollen, das es zu überwinden gilt. Daraus folgt: Wir wollen diese Pyramide abtragen und ein neues Ressourcensystem aufbauen:
Es ist nicht einzusehen, weshalb die pädagogischen Kräfte am Eingang des Bildungssystems – also in Kindergärten und Volksschulen –, wo die Weichen für die Lernentwicklung eines Menschen gestellt werden, weniger gut ausgebildet und geringer bezahlt werden sollen als Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien. Und an den Hauptschulen ist der Unterschied schon deswegen nicht aufrechtzuerhalten, weil bereits im jetzigen System die erste Leistungsgruppe laut Gesetz ein Bildungsangebot, das der gymnasialen Unterstufe entspricht, bereitzustellen hätte. Wie will man da die Unterschiede in der Ausbildung und Bezahlung der Lehrkräfte der beiden Schultypen rechtfertigen?
Vielfach herrscht noch die naive Annahme, die Arbeit in Kindergärten und Volksschulen verlaufe auf einer pädagogischen Schmalspur, sodass man sie deshalb ruhig schlechter bezahlen könne. Wer so denkt, hat den gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte nicht verstanden. Denn durch die heterogenen Herkunftsmilieus der Kinder und durch die wachsenden Anforderungen an deren soziale, sprachliche und mathematische Kompetenzen sind heute Kindergarten- und Volksschulpädagoginnen um nichts weniger gefordert als Lehrerinnen und Lehrer an höheren Schulen.
Eine gleichwertige universitäre Ausbildung für alle Pädagoginnen und Pädagogen vom Kindergarten bis zu den höheren Schulen ist deshalb unumgänglich. Sie darf allerdings nicht Uniformierung und praxisferne Akademisierung bedeuten – sie kann auch in Modulen erfolgen, die den unterschiedlichen Praxisanforderungen entsprechen. Dazu bedarf es einer Reorganisation der universitären Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen, die der sozialen und kulturellen Komplexität des Lebens in Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen gerecht wird.

Montag, 12. Oktober 2009

ÖVP jetzt für Ganztagsschulen?

Gibt es Licht am Ende des schwarzen Bildungstunnels? Bewegt sich am Ende die ÖVP? Kurze Zeit konnte man es glauben. ÖAAB-Chef Michael Spindelegger ließ verlauten, 120.000 vorgesehenen ganztägigen Schulplätze seien zuwenig. Vor allem in den Städten sei der Bedarf weit höher. Recht hat er. ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger machte aber umgehend klar, dass sich Beton halt doch nicht bewegen kann. Er widerspricht Spindelegger und meint zum Thema schlicht „Njet“!
Was spricht für ganztägige Schulformen? Zum einen zeigen alle internationalen Tests, dass Länder mit ganztägigen Schulformen deutlich bessere Ergebnisse haben als wir. Ganztagsschulen nehmen auf Interessen und Voraussetzungen des einzelnen Kindes Rücksicht, erziehen zur Selbstständigkeit erzieht und vermitteln Freude am Lernen und an Leistung. Wie? Sie geben Kinder vor allem Zeit. Zeit zur Entwicklung. Zeit, individuelle Neigungen zu entdecken. „Hausübungen“ werden in der Schule erledigt.
Dazu braucht es ein umfangreiches Angebot an zusätzlichen Aktivitäten, neue Unterrichtsformen, individuelle Förderung, kreative Freizeitgestaltung. Der Vorteil für Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen: Für Eltern (vor allem Frauen) verbessert sich die Vereinbarkeit von Schule und Beruf, für Eltern, Kinder und LehrerInnen ist die Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit klar.

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