LehrerInnenbildung Neu: „Auf halbem Weg und halber Tat mit halben Mitteln!“
harald.walser | 21. Mai, 13:47 | 0 Kommentare
Die Regierung hat heute einen Ministerialentwurf zur „LehrerInnenbildung Neu“ vorgelegt. Ihr Vorbild dafür scheint Franz Grillparzer zu sein: „Das ist der Fluch von unserem edlen Haus (Österreich): auf halbem Wegen und zu halber Tat mit halben Mitteln zauderhaft zu streben.“Ich verweise insbesondere auf die weitgehende Nichtberücksichtigung der KindergartenpädagogInnen sowie die künftig völlig unübersichtliche Struktur der Ausbildung.
Österreich bleibt vor allem in Sachen Elementarpädagogik europäisches Schlusslicht: Bislang bildeten wir hier gemeinsam mit Malta das Schlusslicht, künftig tragen wir die Rote Laterne allein, denn Malta hat die Zeichen der Zeit inzwischen erkannt und bildet Kindergarten-PädagogInnen künftig auch auf Hochschulniveau aus.
Statt bei den Ausbildungsstätten eine klare Struktur zu schaffen, bleibt ein überaus teurer und pädagogisch kontraproduktiver Kompetenzwirrwarr. Die Empfehlung von Fachleuten und auch des Rechnungshofes wurden in den Wind geschlagen, die Kräfte nicht gebündelt. Künftig gibt es ein unübersichtliches Nebeneinander von Hochschulen und Universitäten: Im Gerangel um Einfluss zwischen Unterrichts- und Wissenschaftsministerium blieb schließlich die Vernunft auf der Strecke. Unis und PHs sollen irgendwie kooperieren, wie sie das tun, überlässt der Staat aber ihnen. Das Ergebnis ist schon jetzt mangelnde Durchlässigkeit. Leidtragende sind die Studentinnen und Studenten sowie schlussendlich die Kinder.
Schade, dass aus Sicht der Bundesregierung die Ausbildung der PädagogInnen nicht wie viele Pleite-Banken als systemrelevant gelten, sonst hätte man wie bei den Bankenrettungsmilliarden zumindest einige Millionen in die Hand genommen.
Bei all der aggressiven Reformverweigerung in Sachen Bildung durch die Regierungsparteien gilt für die „Grüne Schule“ nach wie vor: „Kein Kind zurücklassen!“
Der Saal auf der Universität Wien war diese Woche voll – man lauschte den Ausführungen von Ulrich Steffens über die jetzt auch auf Deutsch vorliegende Studie von John Hattie („Visible Learning“ oder „Lernen sichtbar machen“). Thema war – um nur ein Detail herauszuheben – die politisch motivierten Fehlinterpretationen der Studie:
Das ist das - ungegenderte - Ergebnis der weltweit wohl am meisten beachteten bildungspolitischen Studie. Wir ergänzen daher - und auf die Lehrerin!
Vereinfachung der Schulverwaltung? Schön wär´s! Viele fragen sich angesichts der Trippelschritte, ob der lange Weg überhaupt zu bewältigen ist.
Da sollten eigentlich alle Alarmglocken schrillen! Vieles, was sich im österreichischen Bildungssystem abspielt, kann man nicht glauben. Einiges will man auch nicht glauben.
In einer parlamentarischen Anfrage wollte ich von Unterrichsministerin Claudia Schmied Auskunft über die Anzahl der
Vorarlberg als Vorreiter in der Nachmittagsbetreuung? 86 Prozent der Kinder an AHS in Betreuung. Wie bitte? 86 Prozent?
Reden im Parlament