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Geschichte und Rechtsextremismus

12. Mai 2013

Emmerich Tálos präsentiert neues Buch zum Austrofaschismus

DollfussSeit ich im Parlament bin, hat mich das Thema Austrofaschismus schon mehrfach beschäftigt (siehe etwa Austrofaschismus: „... sehr späte Gerechtigkeit!“ oder Austrofaschismus - „ganz offen und ehrlich“!). Immer wieder ging es in meist heftigen Debatten um die Rehabilitierung von Opfern des Austrofaschismus oder um die historische Bewertung der Epoche und um Begrifflichkeiten.
Am Dienstag wird nun ein wissenschaftliches Werk präsentiert, mit dem der ausgewiesenste Fachmann auf diesem Gebiet, Univ. Prof. Dr. Emmerich Tálos, auf viele offene Fragen auch Antworten gibt:
„Das austrofaschistische Herrschaftssystem. Österreich 1933–1938“.
Aus dem Präsentationstext: „In den 1930er Jahren vollzogen sich in Österreich, wie in anderen europäischen Ländern, einschneidende politische Veränderungen. Sie kulminierten in der Etablierung des Austrofaschismus. Dieses politisch wie wissenschaftlich umstrittene Herrschaftssystem wird erstmals einer umfassenden Untersuchung unterzogen.
Analysiert werden: Konstituierungsprozess, ideologisches Selbstverständnis, die politischen Strukturen, zentrale Akteure, die Um- und Neugestaltung der wesentlichen Politikfelder, die politische Stimmungslage und die folgenreichen Beziehungen zu Italien und Deutschland.
Eine angemessene Interpretation des „Anschlusses“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 kann nur vor dem Hintergrund des Austrofaschismus erfolgen.“
LIT Verlag, Wien 2013, 628 Seiten, 34.90 EUR (br); 79.90 EUR (gb).
6. Mai 2013

8. Mai - kein Tag wie jeder andere!

Fest-der-Freude-8_-Mai-Wiener-HeldenplatzWenn „wir“ den 2. Weltkrieg nicht verloren haben, weil wir uns ja nicht als Nachfolgestaat von Nazi-Deutschland verstehen, was haben „wir“ am 8. Mai dann getan? Etwa gewonnen? Richtig: gewonnen! Obwohl es vielen noch schwer fällt, das so zu sehen. Wir Grüne haben uns dazu auch so unsere Gedanken gemacht, mehr dazu auf unserer Homepage: „8. Mai - kein Tag wie jeder andere!
Eine antifaschistische Koalition hat das nationalsozialistische Deutschland im Mai 1945 endgültig besiegt. Die Deutsche Wehrmacht hat kapituliert. „Wir“ dürfen uns an diesem Tag also freuen. Und immer mehr tun das auch, denn es ist der Tag der Befreiung für die Überlebenden der Konzentrationslager, für die Desertierten, die Verfolgten, und all jene mutigen Menschen, die bis zum Ende des Naziterrors Widerstand geleistet hatten. Das Trauern um den „verlorenen“ Krieg überlassen wir am 8. Mai den Rechten.
Deshalb veranstaltet das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) am Mittwochabend ein Gratiskonzert der Wiener Symphoniker zum „Tag der Befreiung“. Ich habe darüber bereits berichtet: „Wiener Symphoniker starten Gegenoffensive zu Burschenschaftern!
Die Symphoniker werden Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92 sowie Werke von Johann Strauß und Jacques Offenbach mit dem Dirigenten Bertrand de Billy und der Sopranistin Julia Novikova darbieten.

Ort: Wiener Heldenplatz
Zeit: 8. Mai 2013, ab 19:30 Uhr

Hinkommen und mitfeiern! Und sich freuen!
28. April 2013

Wiener Symphoniker starten Gegenoffensive zu Burschenschaftern!

PLakat-RechtsextremeDas nenne ich eine tolle Initiative: Die Wiener Symphoniker starten eine Gegenoffensive zum Gedenken der schlagenden Burschenschaften und geben am Abend des 8. Mai ein Konzert auf den Heldenplatz!
Wer an diesem Tag nach wie vor die „totale Niederlage“ von Wehrmacht und Waffen-SS betrauert, sollte an der zentralen Gedenkstätte Österreichs am Wiener Heldenplatz keinen Platz haben. Dass sich nach den äußerst unerfreulichen Diskussionen mit dem Vorstand - nicht den Mitgliedern - der Wiener Philharmoniker die Symphoniker zu diesem Schrittt entschlossen haben, ist ein erfreuliches Zeichen für das andere Österreich. Daher gilt: „Nimm Dir frei am 8. Mai!“
Das Erfreuliche: Der Heldenplatz ist nicht die Bühne für Rechtsrechte, sondern eine große Bühne für das Orchester: Ob Platz für die Burschenschafterfeier vorhanden ist? Ich halte es mit dem - wohl etwas optimistischen - Wunsch von Peter Mayr im „Standard“: „Vielleicht findet heuer der rechte Spuk sein Ende.“
„Musik ist eine universelle Sprache und wie geschaffen dafür, über weltanschauliche Grenzen hinweg Brücken zu bauen,“ betont der Geschäftsführer der Wiener Symphoniker Johannes Neubert die bewusst gehaltene Überparteilichkeit dieser Veranstaltung: „Die Wiener Symphoniker freuen sich daher sehr, am 8. Mai aus Anlass des Kriegsendes ein Festkonzert an einem historisch so bedeutsamen Platz wie dem Heldenplatz zu spielen. Für uns ist dieses Konzert ein Festkonzert im wahrsten Wortsinne und ein Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit in Österreich.“
24. April 2013

Warum ich Peter Fichtenbauer nicht wähle!

Braune-Unterhosen1Das ist eine schwierige Sache: Morgen wählen wir im Nationalrat die VolksanwältInnen für die nächsten sechs Jahre. Bislang war das ja eine Wohltat: Weil bei den Wahlen 2006 die Grünen drittstärkste Partei wurden, hatten wir ein Vorschlagsrecht und mit Terezija Stoisits eine hervorragende Kandidatin. Ihre exzellente Arbeit wird noch zu würdigen sein.
Nun hat die FPÖ ein Vorschlagsrecht und will Peter Fichtenbauer wählen lassen.
Richtig: Es gibt Schlimmere in der FPÖ. Aber ist das ein Argument? Karl Öllinger hat zu recht öffentlich gegen Fichtenbauer Stellung bezogen, denn das „politische Hinterland“ des Peter Fichtenbauer ist eindeutig. Er selbst spielt gern den „Liberalen“ innerhalb der FPÖ, hat sich aber nie eindeutig distanziert von seinem Hinterland. Das gilt für seine Mitgliedschaft im Verein zur Pflege des Nowotny-Grabes genauso wie für die in der Vereinigung deutscher Hochschüler „Waldmark“.
Alljährlich pilgern Anfang November am Wiener Zentralfriedhof auf Einladung eines Vereins im FPÖ-Vorfeld Burschenschafter, Naziskins, FPÖ-Politiker und „alte Kämpfer“ zum Grab einer Ikone des Rechtsextremismus, des NS-Heroen Walter Nowotny. Mit dabei bei der Huldigung Peter Fichtenbauer.
Und seine Studentenverbindung hat natürlich das „Waidhofener Prinzip“ umgesetzt, das den Juden pauschal jede Ehre und damit auch die Satisfaktionsfähigkeit abgesprochen hat.
Mein Kollege Albert Steinhauser fordert zu recht, dass der Bestellungsmodus für die Volksanwaltschaft geändert und die Stellen ausgeschrieben werden. Er stellt das Vorschlagsrecht der Parteien zwar nicht grundsätzlich in Frage, will aber wie bei den Höchstgerichten neben der Ausschreibung auch ein Hearing mit den KandidatInnenen.
Fichtenbauer – ein geeigneter Volksanwalt? Aus meiner Sicht Nein! Unser Abstimmungsverhalten ist dennoch nicht einhellig - Grund dafür ist nicht parteiinterner Streit, sondern die Tatsache, dass es keine Einzelabstimmung gibt, sondern über alle Kandidatinnen en bloc abgestimmt werden muss. Gegen jene von SPÖ und ÖVP gibt es keine Einwände.
Und eine Chance besteht ja noch: Wenn sich Fichtenbauer eindeutig und klar vom rechtsextremen Umfeld des Walter-Nowotny-Fanclubs und den großdeutschen Ambitionen und der antisemitischen Vergangenheit seiner Verbindung distanziert.
12. April 2013

Junge Grüne starten „Aktionswoche gegen Rechtsextremismus“!

Rechtsextremismus_AktionswocheDie Jungen Grünen Vorarlberg starten eine „Aktionswoche gegen Rechtsextremismus“ mit einem wirklich spannenden Programm: Aktionswoche gegen Rechtsextremismus
Gleichzeitig wurde eine Petition gegen Rechtsextremismus online gestellt. Das möchte ich gerne unterstützen, denn die vergangenen Monate haben leider deutlich unter Beweis gestellt, wie notwendig diese Initiative in Vorarlberg ist. Den Text der Petition kann man hier herunterladen (Petition-gegen-Rechtsextremismus (pdf, 68 KB)). Und natürlich kann man die Petition hier auch online unterschreiben.
Die vier Vorschläge an den Landeshauptmann:
1. Richten Sie ein Programm zur Ausstiegshilfe aus der rechtsextremen Szene ein, insbesondere für Jugendliche und straffällig gewordene Jugendliche mit rechtsextremen Taten!
2. Etablieren Sie einen ständigen Ausschuss mit Expert*innen und Personen aus Polizei, Justiz, NGOs, Sozialarbeit, Jugendarbeit, Schule und Politik. Dieser soll Programme und Empfehlungen für Gemeinden und das Land ausarbeiten.
3. Verankern Sie verpflichtende Schulungen für Pflichtschul-Lehrende zum Thema Holocaust-Education an der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch!
4. Fördern Sie die nicht-rechten Jugendkulturen und schaffen Sie mehr Freiräume für diese!
Die Jungen Grünen Vorarlberg freuen sich über Feedback und werden die Unterschriften im Mai an Landeshauptmann Markus Wallner übergeben.
Übrigens: Gespannt bin ich, ob sich die FPÖ wieder betroffen fühlt und zu Wort meldet!
20. März 2013

Rathkolb-Artikel zum Neujahrskonzert mit peinlichen Lücken!

Staatsoper_NSIn den letzten Wochen scheint es bei den Wiener Philharmonikern zu einem Umdenken gekommen sein. Man stellt sich nun dem Kapitel „NS-Zeit“ („Neue Töne bei den Philharmonikern!“) und hat den Kreisky-Biografen Oliver Rathkolb damit beauftragt, in einem ersten Schritt den geschichtlichen Teil der Homepage zu überarbeiten.
Das Ergebnis ist teilweise erfreulich – insbesondere jener Teil, der von Bernadette Mayrhofer und Fritz Trümpi behandelt worden ist. Sie bieten einen soliden Überblick über den Stand der Forschungen zu diesem Thema in den letzten Jahren - zum nicht unbeträchtlichen Teil waren es ihre eigenen.
Peinlich aber sind die Lücken und Auslassungen, die ausgerechnet im zentralen Beitrag von Oliver Rathkolb festzustellen sind (Rathkolb_Neujahrskonzert (pdf, 194 KB)). Darin geht es um die auf diesem Blog in den letzten zweieinhalb Jahren mehrmals thematisierte Geschichte des Neujahrskonzertes. Ich habe dazu heute im „Falter“ in einem Artikel Stellung genommen: „Philharmoniker: NS-Kapitel „längst abgeschlossen“?“ Hier als Download: Leserbrief_Falter_Neujahrskonzert (pdf, 101 KB)
Mein zentraler Vorwurf: Rathkolb verschweigt die Tatsache, dass das Neujahrskonzert ein geplanter Bestandteil von Goebbels´ Kriegspropaganda-Maschinerie war. Die „Wiener Neuesten Nachrichten“ vom 22. Dezember 1939 berichten, dass die Philharmoniker ihr Konzert „zur Gänze“ dem von Hitler kurz zuvor gegründeten „Kriegswinterhilfswerk“ widmeten. Die folgenden Konzerte standen im propagandistischen Dienst der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“. In Rathkolbs Darstellung findet sich das nicht, obwohl Fritz Trümpi schon früher zu dem Schluss kam, dass das Neujahrskonzert nicht Selbstverwirklichung von Strauß-Aficionados, sondern „Ergebnis einer nationalsozialistischen Kulturpolitik“ gewesen ist.
Schlampige Arbeit? Unverständlich jedenfalls angesichts der Brisanz dieses Themas und kein guter Dienst an den Philharmonikern, die sich solidere Arbeit hätten erwarten dürfen.
14. März 2013

Seminar für Lehrkräfte: „Auschwitz – Geschichte, Gedenken und Bildung“

MauthausenSeit 1989 organisiert Hannes Schwantner Fortbildungsseminare für LehrerInnen. Auf eines möchte ich heute hinweisen: „Auschwitz – Geschichte, Gedenken und Bildung“. Es findet vom 26. August 2013 – 30. August 2013 in Oświęcim/Krakau statt.
Lehrkräfte können dieses Seminar als Fortbildungsveranstaltung besuchen. Durchgeführt wird es als Internationale Sommerakademie (Seminarnummer: 6013ARB100) von der Pädagogischen Hochschule Wien und dem Auschwitz-Birkenau Staatsmuseum.
Hier sind einige einige Informationen herunterladbar Sommerakademie_Auschwitz (pdf, 171 KB). Das Wesentliche ganz kurz:
Schwerpunkte sind folgende Themen: „Deutsche Besetzung in Polen – politische und rassistische Prinzipien der Nazi“, „Paradigmen von Auschwitz und dem Holocaust als geschichtlicher Kontext für den Völkermord im 20. Jahrhundert“ und „Völkermord an Sinti und Roma“.
Die pädagogischen Ansätze:
In Vorträgen und Workshops werden die Themen: „Der Holocaust im Unterricht – die historische Perspektive“ diskutiert, Unterrichtsmaterialien über die Geschichte der Juden und des Antisemitismus in Europa vorgestellt und die Problematik „Zwischen Erinnerung und Gedenken – Das Auschwitz-Birkenau Museum und Gedenkstätte als Zentrum für historische Bildung“ erörtert.
Wichtig: Weitere Informationen und Anmeldung bitte an Email an Thea Schwantner. Die Anmeldung sollte umgehend erfolgen!
In diesem Zusammenhang darf ich übrigens an einen großen Österreicher erinnern, den ich noch kennenlernen durfte und mit dem ich mehrere historische Projekte durchgeführt habe: Hermann Langbein. Er durchlitt verschiedene Konzentrationslager und war aktives Mitglied der Widerstandsgruppe in Auschwitz. Dort überlebte er unter anderem Dank einer Vorarlberger Krankenschwester. Ich habe darüber vor Jahren einen Artikel geschrieben: „Der Engel von Auschwitz“ - Zum Wirken der Krankenschwester Maria Stromberger.
Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
11. März 2013

Wiener Philharmoniker und die Medien!

Staatsoper_NSDie Katze ist aus dem Sack: Nachdem ich im Dezember in einem Ö1-Interview und in einem Gastkommentar in der Presse erneut auf die Verstrickungen der Wiener Philharmoniker in das NS-Regime und insbesondere auf die Tatsache hingewiesen habe, dass an den NS-Kriegsverbrecher Baldur von Schirach noch nach seiner Entlassung aus der Haft im Jahr 1966 ein Ehrenring überreicht worden ist (Wiener Philharmoniker und NS-Zeit - Historienmalerei statt Aufklärung!), hat es Sonntagabend erste kleine Schritte der Orchester-Verantwortlichen in die richtige Richtung gegeben.
Der Name des Verantwortlichen wurde veröffentlicht: Es handelt sich laut Orchester-Vorstand Clemens Hellsberg um Helmut Wobisch (1912-1980), seit 1933 Partei- und SS-Mitglied, trotzdem von 1954 bis 1968 Geschäftsführer der Wiener Philharmoniker.
Interessant die Reaktion der Medien: Seit Freitag gab es viele Anfragen ausländischer Presseagenturen (Reuters), Zeitungen und Fernsehstationen (ARD-Tagesthemen) - aus Österreich keine einzige. Dem ORF-Fernsehen reichen nach wie vor die Aussagen von Hellsberg und Rathkolb. Wozu auch kritische Stimmen. Das könnte ja zur Verwirrung führen - und zu weiteren unangenehmen Fragen. „Der Standard“ (Rätsel um Philharmoniker-Ring für Schirach gelöst) zitiert mich ohne Kontaktaufnahme (!) und mit einer Unterstellung (Hellsberg habe „Materialien zurückbehalten, die beweisen, dass die Philharmoniker brauner waren als bisher dargestellt“) - um diese dann von Rathkolb „widerlegen“ zu lassen.
Worauf Rathkolb nicht eingeht und was jetzt (!) - nach den Aussagen des Schweizer Historikers Fritz Trümpi am Samstag auf Ö1 behauptet werden kann: Trümpi verweist darauf, dass es im Zusammenhang mit den Philharmonikern in den Archiven von Staatsoper Ungereimtheiten gebe und plötzlich „neue Dokumente aus der NS-Zeit“ auftauchen. Die Provenienz dieser Dokumente ist laut Trümpi „nicht geklärt“. Was jetzt, Herr Rathkolb?
Alles in allem ist somit nämlich klar, dass sich die Notwenigkeit der umfassenden Aufarbeitung der Orchestergeschichte durch eine unabhängige Historikerkommission erneut bestätigt hat.
Und ein kurzer Nachtrag - der APA-Bericht - sei gestattet: „Erst durch beharrliche Kritik des Bildungssprechers der Grünen, Harald Walser, scheint die Bereitwilligkeit des Orchesters, unabhängige Forschung zuzulassen, gestiegen sein.“
Mal sehen!
8. März 2013

Neue Töne bei den Philharmonikern!

Staatsoper_NSDas hartnäckige Bohren harter Bretter zeitigt irgendwann doch Erfolg: Endlich sind ernsthafte Bemühungen erkennbar, die Verstrickungen des Orchesters in die NS-Diktatur aufzuarbeiten.
In der „Presse“ habe ich heute in einem Gastkommentar die aktuelle Entwicklung analysiert: Die Philharmoniker bewegen sich: Schritte in die richtige Richtung
Schade, dass Fortschritte so langsam vor sich gehen und nur auf Druck passieren. Zuletzt hat das Thema ja auf der ganzen Welt für kritische Berichterstattung gesorgt: „Philharmoniker: breite internationale Berichterstattung!
Die jetzigen Ankündigungen lassen hoffen: Man werde die Homepage auf aktuellen Stand bringen und auch die Verstrickungen des Orchesters in den NS-Staat thematisieren.
Am Sonntag kommt es im Teesalon der Wiener Staatsoper zur Präsentation der Dokumentation „Schatten der Vergangenheit – Die Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus“ von Robert Neumüller – eine Produktion von pre tv in Koproduktion mit ORF, ORF III und ORF/3sat.
Bei dieser Gelegenheit kommt es auch zur Veröffentlichung neuer Texte zur Geschichte der Wiener Philharmoniker in der NS-Zeit.
Die - zumindest angekündigte - kritische historische Aufarbeitung erfolgt spät genug: Schon im Jahr 2008 hat der damalige Direktor Ioan Holender dafür gesorgt, dass in der Ausstellung „Opfer, Täter, Zuschauer“ historische Altlasten thematisiert wurden – die Vertreibung jüdischer Künstler, der NS-Postenschacher bis hin zu Änderungen des Spielplans. Was damals leider nicht zur Verfügung stand, waren Unterlagen aus dem Archiv der Philharmoniker.
7. März 2013

75 Jahre „Anschluss“ - nicht nur gedenken, auch handeln!

Heldenplatz_Pelinka_12-10-2012In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit unserem Justizsprecher Albert Steinhauser habe ich heute auf einige „Baustellen der Republik“ im Umgang mit der NS-Zeit hingewiesen.
So ist beispielsweise die Krypta am Wiener Burgtor nach meinem Protest („Keine Kränze für Wehrmacht und Waffen-SS!“) zwar kurzfristig geschlossen, inzwischen aber wieder geöffnet worden (im Bild die damalige Pressekonferenz mit Anton Pelinka). Die skandalösen Totenbücher mit „ehrendem Gedenken“ an Massenmörder wie Josef Vallaster wurden zwar entfernt, Darabos hat aber keine wirkliche Umgestaltung vorgenommen. Nach wie vor steht da unter den Jahreszahlen 1939-1945 „In Erfüllung ihres Auftrages ließen sie ihr Leben“ – ohne jede kritische Reflexion was denn dieser „Auftrag“ des NS-Staates war. Ich fordere die Schließung der Krypta.
Statt der Totenbücher hängen jetzt Bilder von Darabos an der Wand: Kommentarlos sieht man ihn, wie er den Namen „Josef Vallaster“ durchstreicht. Mit Filzstift gegen die Nazis?
Die Darabos-Fotos ändern nichts am Skandal: Die Krypta ist das zentrale Denkmal der Republik, jener Ort, an den alle Staatsgäste geführt werden, wo Bundespräsident und Bundeskanzler an Feiertagen Kränze niederlegen etc. In der jetzigen Form gleicht sie eher einer „Wehrmachtsgedenkstätte“. Sofortige Schließung und anschließende Umgestaltung sind überfällig.
Ich habe in der PK auch auf die Umbenennung von Kasernen gepocht, die nach prominenten Wehrmachtsgenerälen benannt sind. Konkret geht es um die Umbennennung der „Windisch-Kaserne“. Sie erinnert an den hochdekorierten Ritterkreuzträger Alois Windisch, der wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde.
Schließlich muss aus meiner Sicht auch endlich eine Basisfinanzierung des einzigen Museums erfolgen, das dem Beitrag der - vor allem Kärntner - PartisanInnen für die Befreiung Österreichs gewidmet ist. Es handelt sich um den Peršmanhof nahe Eisenkappel/Železna Kapla .

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