Gesundheit und Pflege

Samstag, 6. September 2008

Überfluss mitten im Mangel, Mangel mitten im Überfluss!

Ich komme gerade aus Nenzing, wo ich im von Hildegard und Helmut Schlatter phantastisch hergerichteten „Tenn“ dem in einem Kärntner Bergdorf lebenden „schrägen“ Bauern Michael Machatschek gelauscht habe.
Der studierte Diplomingenieur beschäftigt sich mit alten Landnutzungsweisen, Landschafts- und Nutzpflanzenkunde und Tierhaltung. Seine zentrale These: Wir müssen auf das Wissen der „Alten“ zurückgreifen, um die Probleme der Zukunft lösen zu können. Im Detail hat er mich überfordert – das liegt aber an mir: Was da an Einzelheiten über Pflanzen und (Wild-)Kräuter berichtet wurde, was da alles als Gemüsebeilage und/oder Heilmittel, als Marmeladevariation oder Kompott taugt, überforderte mein diesbezüglich äußerst eingeschränktes Wahrnehmungs- und Merkvermögen. Erdholler-Suppe? Walnussblätter als Speisenwürze und Mittel gegen Stechmücken?
Eines aber habe ich mitbekommen: Gerade weil mir soviel neu war, ist es wichtig, dass Menschen wie Machatschek solche Vorträge halten, andere sensibilisieren und motivieren.
Überzeugt hat mich seine Feststellung, dass die moderne Küche auf wenigen Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Milch und Fleisch und mit Wasser voll gepumptem und geschmacklosem Gemüse und Obst basiert und daher verarmt.
Das alte Wissen wäre eine Chance für echte gesunde Kost. Und der sprachsensible Machatschek fügt hinzu, dass unter „Kosten“ der Wert und Preis zu verstehen ist, obwohl nicht alles seinen Wert habe, was auch seinen Preis hat. Die Wildkräuter zu sammeln, kostet nicht viel, und man erhält köstliche Kostbarkeiten, die uns obendrein auch gesund erhalten.
Ein spannender Abend mitten im Wahlkampf!

Samstag, 9. August 2008

"Baustelle" Pflege: Finanzierung offen!

Man löst ein Teilproblem (24-Stunden-Betreuung zu Hause) und verschweigt, dass die restlichen 95% des Problems im Pflegebereich nicht einmal ansatzweise angegeangen worden sind - so stellt sich die unter großem Getöse präsentierte "Lösung" der Regierungsparteien dar.
Über die genaue Finanzierung schweigen sich sowohl Säckelwart Wilhelm Molterer als auch Werner Faymann aus.
In einer Presseaussendung haben Katharina Wiesflecker und ich gestern ausführlicher zum Problem Stellung bezogen: http://vorarlberg.gruene.at/pflege/artikel/lesen/33305.
An dieser Stelle nur ein Wort zur Finanzierung: Die ÖVP spricht nebulos von "hunderten Millionen Euro", die über einmalige Privatisierungserlöse hereinkommen sollen, die SPÖ von einer Vermögenszuwachssteuer (die auch schon das Gesundheitssystem retten soll).
Es ist nicht gerecht, für Pflegefälle auf das Vermögen des/der Einzelnen zurückzugreifen, allerdings ist es im Sinne eines gerechteren Steuersystems sehr wohl notwendig, über eine moderate Besteuerung der Vermögen aller Reichen und Superreichen die Finanzierung sicherzustellen und so das System abzusichern. Noch immer wird in Österreich der Faktor Arbeit (Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge etc.) viel zu hoch besteuert, die Vermögen aber viel zu gering. Die Einnahmen aus der Vermögensbesteuerung liegen in Österreich bei 0,6% des BIP, in den EU-15-Ländern im Durchschnitt bei 2,1%. Das muss sich ändern. Dafür bieten sich an: Stiftungsbesteuerung, neu definierte Schenkungssteuer und eine moderate Vermögensbesteuerung. Wenn wir damit nur die durchschnittliche Steuerlast der EU-15 erreichen, sind die Finanzierungsprobleme im Pflege- und Gesundheitsbereich gelöst. Zudem gäbe es ein Stück mehr Steuergerechtigkeit!

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