(Teil-)Zentralmatura - ein Fortschritt?
Die "(Teil-)Zentralmatura" an AHS ist derzeit heftig in Diskussion. Ich ersuche daher alle Interessierten, hier mitzudiskutieren und mitzuhelfen, eine klare (grüne) Position zu beziehen. Meine Position schaut so aus:
Prinzipiell ist es zu befürworten, wenn Zeugnisse auch wirklich aussagekräftig sind. Eine "Zentralmatura" bietet die Chance dazu. Die Gefahr sehe ich darin, dass schulische Schwerpunkte nicht mehr so gesetzt werden können, weil ja alle SchülerInnen in allen schriftlichen Fächern ein bestimmtes Niveau aufweisen müssen. Warum soll es nicht möglich sein, am Schluss der 8. Klasse einfach den SchülerInnen ein Zeugnis über ihre jeweilige Sprachkompetenz auszustellen? Das kann ähnlich funktionieren wie beim Cambridge Certificate oder dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GERS) des Europarats und macht die Sprachkompetenz der SchülerInnen transparent und vergleichbar - die Skala reicht von A1 (elementare Sprachverwendung) bis C2 (nahezu muttersprachliche Sprachbeherrschung). Ich habe an meiner Schule befürwortet, am Pilotversuch teilzunhemen. Das ist im Sommer auch mit durchaus positiven Ergebnissen über die Bühne gegangen. Sprachen sind aber natürlich nur ein Aspekt bei der geplanten Reform.
Künftig soll die Reifeprüfung aus drei voneinander unabhängigen Modulen bestehen: einer "vorwissenschaftlichen Arbeit" (15-17 Seiten), einer schriftlichen "teilzentralen" Matura und einer mündlichen Prüfung.
Die schriftliche Prüfung besteht aus den Fächern Deutsch, Mathematik, einer lebenden Fremdsprache und einer weiteren Fremdsprache, DG, Chemie, Physik oder Biologie. Korrigiert und beurteilt werden die Arbeiten von den LehrerInnen der Schule nach einem vorgegebenen Korrekturschlüssel.
Für die mündliche Reifeprüfung können zwei Prüfungsgebiete gewählt werden. SchülerInnen ziehen die Fragen aus einem am Schulstandort festgelegten Pool von mindestens 30 Fragen pro Fach. Die Prüfung besteht nur aus der Beantwortung einer Frage, wobei in der Vorbereitungszeit eine Präsentation vorbereitet werden muss.
Die drei Bereiche der Reifeprüfungen sollen voneinander völlig unabhängig sein. Das bedeutet, dass eine negative Beurteilung im schriftlichen Bereich nicht durch eine positive Leistung im mündlichen Bereich kompensiert werden kann. Umgekehrt hindert sie aber auch nicht das Absolvieren der beiden anderen Bereiche: Wer seine vorwissenschaftlich Arbeit verhaut, kann trotzdem zu den Klausuren antreten, negative Klausuren können nach sechs Wochen wiederholt werden, und trotz negativer Klausuren kann man mündlich antreten. Die negativ beurteilten Prüfungsteile müssen aber jeweils nachgeholt werden.
Probleme sehe ich vor allem darin, dass negative schriftliche Arbeiten nicht durch mündliche Leistungen kompensiert werden können (was ja in der Schule möglich ist). Warum soll jemand eine individuelle schriftliche Schwäche nicht mündlich ausgleichen dürfen? Und ist es wirklich überall notwendig, 30 Fragen festzulegen? Das ist in Geschichte und Geographie sicher problemlos möglich, aber in einer "kurzen" (also drei- oder vierjährigen) Fremdsprache? Entweder sind die Fragen dann wohl zu detailliert oder zu ähnlich. Bei den "vorwissenschaftlichen Arbeiten" sehe ich das Problem "Copy-Paste-Taste": Wenn alle SchülerInnen eine Arbeit schreiben müssen, ist die Kontrolle sehr schwierig.
Was meint die geneigte Leserschaft?
Prinzipiell ist es zu befürworten, wenn Zeugnisse auch wirklich aussagekräftig sind. Eine "Zentralmatura" bietet die Chance dazu. Die Gefahr sehe ich darin, dass schulische Schwerpunkte nicht mehr so gesetzt werden können, weil ja alle SchülerInnen in allen schriftlichen Fächern ein bestimmtes Niveau aufweisen müssen. Warum soll es nicht möglich sein, am Schluss der 8. Klasse einfach den SchülerInnen ein Zeugnis über ihre jeweilige Sprachkompetenz auszustellen? Das kann ähnlich funktionieren wie beim Cambridge Certificate oder dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GERS) des Europarats und macht die Sprachkompetenz der SchülerInnen transparent und vergleichbar - die Skala reicht von A1 (elementare Sprachverwendung) bis C2 (nahezu muttersprachliche Sprachbeherrschung). Ich habe an meiner Schule befürwortet, am Pilotversuch teilzunhemen. Das ist im Sommer auch mit durchaus positiven Ergebnissen über die Bühne gegangen. Sprachen sind aber natürlich nur ein Aspekt bei der geplanten Reform.
Künftig soll die Reifeprüfung aus drei voneinander unabhängigen Modulen bestehen: einer "vorwissenschaftlichen Arbeit" (15-17 Seiten), einer schriftlichen "teilzentralen" Matura und einer mündlichen Prüfung.
Die schriftliche Prüfung besteht aus den Fächern Deutsch, Mathematik, einer lebenden Fremdsprache und einer weiteren Fremdsprache, DG, Chemie, Physik oder Biologie. Korrigiert und beurteilt werden die Arbeiten von den LehrerInnen der Schule nach einem vorgegebenen Korrekturschlüssel.
Für die mündliche Reifeprüfung können zwei Prüfungsgebiete gewählt werden. SchülerInnen ziehen die Fragen aus einem am Schulstandort festgelegten Pool von mindestens 30 Fragen pro Fach. Die Prüfung besteht nur aus der Beantwortung einer Frage, wobei in der Vorbereitungszeit eine Präsentation vorbereitet werden muss.
Die drei Bereiche der Reifeprüfungen sollen voneinander völlig unabhängig sein. Das bedeutet, dass eine negative Beurteilung im schriftlichen Bereich nicht durch eine positive Leistung im mündlichen Bereich kompensiert werden kann. Umgekehrt hindert sie aber auch nicht das Absolvieren der beiden anderen Bereiche: Wer seine vorwissenschaftlich Arbeit verhaut, kann trotzdem zu den Klausuren antreten, negative Klausuren können nach sechs Wochen wiederholt werden, und trotz negativer Klausuren kann man mündlich antreten. Die negativ beurteilten Prüfungsteile müssen aber jeweils nachgeholt werden.
Probleme sehe ich vor allem darin, dass negative schriftliche Arbeiten nicht durch mündliche Leistungen kompensiert werden können (was ja in der Schule möglich ist). Warum soll jemand eine individuelle schriftliche Schwäche nicht mündlich ausgleichen dürfen? Und ist es wirklich überall notwendig, 30 Fragen festzulegen? Das ist in Geschichte und Geographie sicher problemlos möglich, aber in einer "kurzen" (also drei- oder vierjährigen) Fremdsprache? Entweder sind die Fragen dann wohl zu detailliert oder zu ähnlich. Bei den "vorwissenschaftlichen Arbeiten" sehe ich das Problem "Copy-Paste-Taste": Wenn alle SchülerInnen eine Arbeit schreiben müssen, ist die Kontrolle sehr schwierig.
Was meint die geneigte Leserschaft?
harald.walser - 27. Nov, 12:18
2) Die Frage nach der Kontrollschwierigkeit sollte sich irgendwann durch entsprechende Überprüfungssoftware lösen lassen. Ich weiß nicht, ob gedacht ist, die Arbeiten handschriftlich verfassen zu lassen;)
3) 30 Fragen zu finden kann schwer sein. Wieso es aber bei Sprachen schwer sein sollte, kann ich nicht nachvollziehen. Da geht es eher darum, dass man vielleicht 240 Fragen benötigt, die man im 8 Jahres-Rhythmus rotieren läßt und daher 8 verschiedene 30er-Gruppen benötigt.
meine meinung
zu 1) eine mündliche 1 bei der matura ist praktisch trotz hervorragender vorbereitungen nur durch jahrelanges "positives" auffallen im unterricht erreichbar. ein kandidat, welcher schriftlich negativ beurteilt wird, hat diesen sympathie-bonus nicht.
zu 2) wie sollen fächer wie deutsch oder mathematik/physik (bei der der lösungsweg einen großen anteil der punkte ausmacht) computertechnisch ausgewertet werden? meiner erfahrung nach, lassen sich matura-fragen nicht mit einem ergebnis, einem wort oder einem satz beantworten.
zu 3) in englisch hatten wir im matura-jahr 2-3 wochenstunden. in diesen schafften wir es übers jahr verteilt etwa 5 themen (3-schluchten-staudamm, magnetschwebebahnen, transrapid, ..) zu bearbeiten. jedes thema bietet stoff für 3-4 fragen - somit stimmt die annahme, die fragen werden sich zu ähnlich, aus meiner sicht schon. zudem muss man bedenken, dass es durchaus üblich ist, in 5 jahren htl drei verschiedene englisch-professoren zu haben.