„Bildung statt Ausbildung“

Unter diesem Motto protestieren StudentInnen gegen die Bildungspolitik. Und sie sind nicht allein. Vor einigen Tagen waren es die KindergärtnmerInnen, die in einer großen Demonstration in Wien massiv auf den Reformstau im vorschulischen Bereich hingewiesen haben. Proteste von Eltern und LehrerInnen sind schon fast an der Tagesordnung. Und derzeit sind es die StudentInnen, die ihren Protest zurecht nicht an einzelnen Problemen aufhängen, sondern eine große Bildungsdiskussion einfordern. Im Kindergarten, im Schulwesen und im Bereich der Universitäten – überall weisen internationale Studien Österreich massiven Investitions- und Nachholbedarf nach. Demonstrationen sind offensichtlich das einzige Mittel, um die Missstände auch hierzulande aufzuzeigen.
Und es ist die „Basis“, die da protestiert: Das Institut für Jugendkulturforschung hat eine Umfrage veröffentlicht, die zeigt, dass die Proteste zu Dreiviertel von Studierenden getragen werden, die keiner hochschul- oder parteipolitischen Organisation angehören. Es ist also offensichtlich, dass die ÖH und die StudentInnenorganisationen kaum einen Einfluss auf das Geschehen im Audimax der Universität Wien haben. Es handelt sich um eine spontane Bewegung von Betroffenen, die nicht auf ihre Interessensvertretung warten, sondern selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Im Zentrum der Kritik steht die Bildungspolitik der Europäischen Union, die das Studium „in erster Linie den Verwertungsinteressen der Wirtschaft unterordnet und auf die persönlichen Bildungsinteressen und Bildungsziele des Einzelnen“ vergesse. Auch dem zunehmenden Einfluss großer Unternehmen auf die Universitäten (man denke an die „Drittmittelforschun “) stehe die große Mehrheit der Protestierenden ablehnend gegenüber: „Verlangt wird eine vom Staat ausfinanzierte und damit von der Wirtschaft unabhängige Universität. Daneben sind das Verhindern von Zugangsbeschränkungen und die langfristige Verhinderung von Studiengebühren die wichtigsten Forderungen der Basis der Bewegung.“
Bildung ist nämlich mehr als nur „Ausbildung“ - und auch um deren Zustand ist es in Österreich nicht eben gut bestellt.
Bea L. (Gast) - 4. Nov, 17:19

Die Sache mit den individuellen Bildungsinteressen...

Ich zitiere aus obigem Text:
".....die das Studium „in erster Linie den Verwertungsinteressen der Wirtschaft unterordnet und auf die persönlichen Bildungsinteressen und Bildungsziele des Einzelnen“ vergesse...."

SO IST ES! Diese glorreiche Idee wurde als tolle Neuerung gefeiert, unwidersprochen, führte dazu, seitdem wunderschöne Schlagworte von "Bildung" und "Sozialkompetenz" zu strapazieren ohne gebührend mit einzubeziehen, dass nachhaltige Wirtschaft Menschen braucht, die fähig sind, sich selbst zu reflektieren und zu verstehen, praktische und fundierte Erfahrung mit Konfliktlösung und Selbstmanagement haben... lauter Dinge, die durch den ungesundem Stress und die Überlastung, wie sie im heutigen öffentlichen Schulsystem, bei Lehrern und Professoren, ebenso wie bei SchülerInnen und Studenten Gang und Gäbe sind, nicht gerade gefördert werden.
Das eigene (Bildungs-) Interesse und als Wegweiser für die eigene (heute notwendige!) Spezialisierung zu sehen - dieses Element hat in jenen schulpolitischen Abhandlungen gefehlt, die ich vor einigen Monaten mühsam durchgeackert habe: Sie sind um die Jahrtausendwende entstanden, gelten seit damals als letzter Schrei, und dienen doch nur der Aufrechterhaltung eines überkommenen Systems, das mit zukünftiger Wirtschaft nur wenig zu tun hat.

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