Tanz auf der Titanic?
Gestern hat Armin Soyka auf diesem Blog eine spannende Frage gestellt. Wie kann es angesichts der offenkundigen Probleme sein, dass die Regierung(en) derart unprofessionell auf die großen Krisen der Gegenwart (Klimakrise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise) reagieren? Tanzen wir auf der Titanic und merken gar nicht, dass diese bereits am Sinken ist? Ist das Phänomen der Verdrängung eine ausreichende Antwort? Derzeit ist die Situation ja wirklich so, dass die meisten Menschen meist mit hoffnungsvollen Gemeinplätzen reagieren:
„Die Regierung hat die Finanzkrise ja wohl im Griff, für die Energieprobleme wird es schon Lösungen geben, das mit dem Klima kann ja so schlimm nicht kommen. Oder nach Groucho Marx: Was kümmert mich die Nachwelt, hat die Nachwelt sich je um mich gekümmert?“
Es ist zumindest ein spannender Lesetipp: Der Sozialpsychologe Harald Welzer hat im Spiegel online einen nachdenklich stimmenden Beitrag unter dem Titel „Blindflug durch die Welt“ verfasst. Er forscht am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen über Erinnerung und Gewalt. Zuletzt erschien sein Buch „Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“.
Tanzen wir nun auf der Titanic oder nicht? Kurzer Textausschnitt: „Kurz bevor die Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, ließ Josef Ackermann verlauten, dass das Gröbste überstanden sei. Als sich nach den ersten heftigen Eruptionen am Finanzmarkt eine Wirtschaftskrise gigantischen Ausmaßes abzeichnete, teilten die Wirtschaftsforschungsinstitute mit, dass es Ende 2009 wieder aufwärtsginge. Und punktgenau zum großen Crash erschien das Buch des CDU-Finanzexperten Friedrich Merz mit dem wahrhaft visionären Titel "Mehr Kapitalismus wagen". In den hektischen Wochen seither überbieten sich Politiker und Experten darin, Konsumanreize zu erfinden, als wäre der Kapitalismus ein Perpetuum mobile, das man durch Antippen in eine Kreisbewegung endloser Wertschöpfung versetzen könne. Auf die Idee, es handele sich hier möglicherweise um etwas anderes als eine „Krise“, kommt offenbar niemand.“
Das Neue Jahr müssen wir uns ja nicht gleich verdrießen lassen – Nachdenklichkeit ist in dieser Situation allerdings kein Schaden!
„Die Regierung hat die Finanzkrise ja wohl im Griff, für die Energieprobleme wird es schon Lösungen geben, das mit dem Klima kann ja so schlimm nicht kommen. Oder nach Groucho Marx: Was kümmert mich die Nachwelt, hat die Nachwelt sich je um mich gekümmert?“
Es ist zumindest ein spannender Lesetipp: Der Sozialpsychologe Harald Welzer hat im Spiegel online einen nachdenklich stimmenden Beitrag unter dem Titel „Blindflug durch die Welt“ verfasst. Er forscht am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen über Erinnerung und Gewalt. Zuletzt erschien sein Buch „Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“.
Tanzen wir nun auf der Titanic oder nicht? Kurzer Textausschnitt: „Kurz bevor die Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, ließ Josef Ackermann verlauten, dass das Gröbste überstanden sei. Als sich nach den ersten heftigen Eruptionen am Finanzmarkt eine Wirtschaftskrise gigantischen Ausmaßes abzeichnete, teilten die Wirtschaftsforschungsinstitute mit, dass es Ende 2009 wieder aufwärtsginge. Und punktgenau zum großen Crash erschien das Buch des CDU-Finanzexperten Friedrich Merz mit dem wahrhaft visionären Titel "Mehr Kapitalismus wagen". In den hektischen Wochen seither überbieten sich Politiker und Experten darin, Konsumanreize zu erfinden, als wäre der Kapitalismus ein Perpetuum mobile, das man durch Antippen in eine Kreisbewegung endloser Wertschöpfung versetzen könne. Auf die Idee, es handele sich hier möglicherweise um etwas anderes als eine „Krise“, kommt offenbar niemand.“
Das Neue Jahr müssen wir uns ja nicht gleich verdrießen lassen – Nachdenklichkeit ist in dieser Situation allerdings kein Schaden!
harald.walser - 8. Jan, 01:41
Blkauäugig?
Regierungen (zumindest demokratisch legitimierte) sind doch nichts als Administrationen, die verwalten. So sehen es die Verfassungen vor und uch die Praxis folgt dem weitgehend. Andere Verwaltungen sind in einem demokrastischen Kontext nur zu ändern, wenn die Wähler auch etwas anderes wollen. Die Parteien aber wollen keine Wähler die etwas anderes wollen sondern solche, die sie in diese Administration hieven.
Ja selbst die grundsätzlich richtige Kritik an Friedrich Merz geht hier am Ziel vorbei. Gerade die Grünen argumentieren täglich, dass eine "Ökopolitik" mehr Arbeitsplätze schaffe, dass die Investionen in diese Politik antizyklisch zu sein hätten. Ihre Vorschläge von Pellets bis Kyoto folgen demselben Prinzip, nein treiben es auf die Spitze: Die Natur, ja gar die Luft muss noch demselben Verwertungsprinzip untergeordnet werden, es soll also auch in der Umwelt mit Friedrich Merz "Mehr Kapitalismus" gewagt werden?
Eine von tausenden anderen Anregungen sind hier zu sehen:
Wider die Diskussionsferne: Setzt den Film Grundeinkommen 1000fach in die Blogs!
http://maerkzettel.blogspot.com/2008/12/wider-die-diskussionsferne-setzt-den.html
Ich stelle erschrocken fest
In Demokratien regieren (entscheiden) Regierungen nicht, sondern verwalten nur.
Politiker wollen kein Wahlvolk, dass die sie wählt, um Entscheidungen treffen.
Außerdem sollen Investitionen in Umwelt (im weitesten Sinne) antizyklisch (d.h. nur in rezessiven Phasen) erfolgen, so zumindest zitieren Sie die Grünen - von DIESER Forderung ist MIR nichts bekannt, vielleicht kann Dr. Walser da aber mehr dazu sagen.
Und Sie "verteufeln" den Markt, der versucht mit "kapitalistischen" Methoden in die Umweltpolitik einzugreifen
Sorry, Herr Satrchl, Sie haben - wie Dr. Walser (der auch nur theoretisiert und sich - wahrscheinlich zu unser aller Glück - noch nie in die Niederungen regierungshandelnder demokratischer Politik zu begeben hatte!!) - offensichtlich keine Ahnung von den komplexen Entscheidungsfindungsprozessen in Demokratien und in welche Katastrophe(n) die u.a. von Ihnen "geforderten" Systeme der einfachen, schnellen Entscheidungen führen, haben wir in der europäischen Geschichte im 20. Jh. mehrmals leidlich erfahren müssen . . .
Der Denkfehler,
Dass nicht wie Sie sagen, die Politik nur etwas ändert, wenn die Bürger das wollen, sondern die Politiker den Bürgern aufs Aug' drücken was sie wollen, was der Bürger will, damit Sie ändern können. Und weil der Mensch faul ist hat die Politik nicht das Interesse etwas zu ändern, weil das System ja eh funktioniert! Aber vielleicht sehe ich das falsch!
Der Österreicher ist nicht gebildet, aufmerksam und interessiert genug GRAVIERENDE Veränderungen wahrzunehmen (siehe Spiegelartikel)
Ich hätte da auch noch eine Frage
Mir scheint, Sie sollten Ihr Weltbild dringend reflektieren!