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17. Dezember 2008

Problematische österreichische Gedenkstätte in Auschwitz!

Das aus Vorarlberger Sicht Positivste an der 1978 eröffneten österreichischen Gedänkstätte in Auschwitz: Der Bregenzer Krankenschwester Maria Stromberger, die vielen Häftlingen geholfen hat und die Widerstandsbewegung im Lager aktiv unterstützte, wird viel Raum gewidmet. Wenigstens hier, wenn man ihre Tätigkeit schon in Österreich kaum beachtet hat.
Viel Positives gibt es sonst von dieser Gedenkstätte nicht zu berichten.
Prominente Historiker wie Bertrand Perz oder Brigitte Bailer-Galanda kritisieren seit Jahren zurecht die inhaltlich und darstellerisch völlig veraltete Schau. Bislang wurde nämlich die österreichische Beteiligung an den NS-Verbrechen verschwiegen, erst 2005 hat man mit einer Zusatztafel darauf hingewiesen.
Dieses Geschichtsbild entspricht in keinster Weise dem heutigen Wissensstand. Mehrere nationale Ausstellungen in der staatlichen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau wurden bereits neu gestaltet. Nur zwei Ausstellungen sind noch im „Originalzustand“: Die – derzeit geschlossene – des nicht mehr existierenden Staates Jugoslawien und die österreichische. Die Neugestaltung der österreichischen Gedenkstätte ist schon längst überfällig.
Immerhin steht nun im Regierungsprogramm für die XXIV. Gesetzgebungsperiode im Kapitel „Kunst und Kultur“ u. a. folgende Passage: „Erneuerung des Österreich-Pavillons in der Ausschwitz[sic!]-Gedenkstätte; Koordination und Teilfinanzierung durch den Nationalfonds“ (S. 221). Einmal abgesehen davon, dass die AutorInnen dieser Passage peinlicherweise nicht in der Lage waren, den Ort orthografisch korrekt zu schreiben, ist dies eine erfreuliche Festlegung. Dennoch bleiben viele Fragen offen.
Ich habe deshalb - unterstützt vom aus Vorarlberg stammenden Politologen Hannes Metzler - eine parlamentarische Anfrage an den Bundeskanzler gerichtet. Metzler und ich wollen unter anderem wissen, woran bisher ein Umbau der Ausstellung gescheitert ist, und bis wann dieser abgeschlossen sein wird.

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Kommentare
Jakob Lenz (Gast) - 17. Dez, 12:17

Die gesamte Gedenkstaette ist veraltet!

Letzten Juni war ich das zweite Mal in Auschwitz. Das erste Mal war im Jahr 2001. Schon damals hat mich der veraltete Österreich Pavillon gestört. Diesmal war wenigstens am Eingang die zitiere Erklärung, dass die Gedenkstaete überarbeitet wird zu lesen. Dies freute mich kurzfristig, doch als ich dann gelesen habe, dass der Text aus dem Jahr 2005 stammt und es noch keinen Anschein gemacht hat, dass sich bald etwas ändert, war ich schon etwas enttäuscht.
Natürlich transportiert die Ausstellung aus den 70er Jahren ein veraltetes Geschichtsverstaendnis, was dringend geändert gehört. Doch im Lichte der Entstehungszeit der Gedenkstätte, glaube ich, dass diese trotzdem von hoher Qualität ist und erhalten gehört, als Zeitzeignis.
Der generelle Teil der Gedenkstelle scheint ebenfalls nicht überarbeitet zu sein, noch dazu ist dieser, meiner Meinung nach, von fast gefährlich schlechter Qualität! Dieser entspricht sicher nicht mehr dem aktuellen geschichts- und ausstellungspädagogischen Standards sondern konfrontiert die BesucherInnen ausschlieslich mit dem GRAUEN (z.B. unzählige Berge von Schuhen, Haaren, Prothesen, Zähnen, ….)! Es schockiert einfach nur! Es stellt aber keine Verbindung zur/m BesucherIn her und fragt auch nicht nach den Hintergründen, die zu den Ereignissen der Shoa geführt haben könnten. Ich habe das Gefühl, dass es sich einfach noch um das kommunistisch/polnische Ausstellungskonxept handelt, dass die Untertanen gegen den faschistischen Feind im Westen(Kalter Krieg) mobilisieren sollte. Von modernem kritischem Geschichtsverstaendnis ist nichts zu finden. Den durchschnittlichen Österreichischen BesucherInnen ist die Präsentation auf diese Art und Weise auch ganz recht, denn die Shoa wird als ein schreckliches, aber abgeschlossenes Ereignis in der Vergangenheit gesehen. Der Unterschied zu einer mittelalterlichen Folterkammer ist nicht mehr sehr groß. Es gibt sehr wohl Gedenkstätten in Europa, die sich mit diesem Thema zeit gemäß nähern, so zum Beispiel die Begengnungsstaette in Terezin(Theresienstadt).

harald.walser - 17. Dez, 13:07

Viel treffender kann man es nicht schildern,

ich war ebenfalls zweimal in der Gedenkstätte in Auschwitz. Beim ersten Mal war ich erschlagen von den Eindrücken und zu keiner wirklich kritischen Reflexion fähig. Die Museumspädagogik hat inzwischen ja große Fortschritte gemacht und Österreich muss neben den inhaltlichen Aspekten auch die didaktischen endlich nachvollziehen. Der Gedanke, dass man die Ausstellung als Beispiel für Geschichtsvermittlung in den 70er-Jahren zugänglich machen soll, hat etwas Bestechendes!
Armin Soyka (Gast) - 17. Dez, 15:05

Grundsatzfrage: Populismus ja oder NEIN?

Ich verstehe nicht, warum Sie es für nötig erachtet haben Punkt 15. ("15. Was halten Sie von der Idee, den Pavillon unter einen Glassturz zu stellen und die weiter oben zitierte Passage aus dem Regierungsprogramm 2008–2013 inklusive Rechtschreibfehler darauf anzubringen?") ihren 14. gut überlegten, sinnvollen, wichtigen und sachlichen Fragen an zu hängen.
Ich finde Sie entziehen Ihrer Anfrage und sich selbst die Glaubwürdigkeit. Ich wünsche mir (wie haben Sie es gestern so treffend formuliert: Kurz vor Weihnachten, wünsche ans Christkind darf man ja richten), dass Sie versuchen Ihre Politik so unpopulistisch wie möglich zu halten (denn als nichts anderes sehe ich den Punkt 15.)

Trotz obriger Kritik finde ich, dass der Schritt, den Sie durch die Anfrage setzen für einen wichtigen und vor allem einen, der in die richtige Richtung geht!

harald.walser - 17. Dez, 17:36

Lieber Armin Soyka !

Ich gebe zu: Ganz sachlich ist diese Passage nicht geraten. Vom Grundgedanken her ist es aber das, was Jakob Lenz zurecht empfohlen hat: Man sollte die Geschichtsbilder der Vergangenheit nicht einfach ad acta legen, sondern als zeitbedingte Möglichkeit der Geschichtsbetrachtung dokumentieren. Das relativiert auch etwas die gegenwärtige und somit ebenfalls zeitbedingte Sichtweise. Die Kritik an der Form dieser "Frage 15" nehme ich zur Kenntnis, habe aber eine Bitte: ein wenig Polemik hält jung und belebt die Diskussion - zumindest könnte das die Folge sein.
Armin Soyka (Gast) - 18. Dez, 01:42

"Polemik (von griech. πόλεμος pólemos, „Auseinandersetzung, Streit, Krieg“) bezeichnet einen meist scharfen und unsachlichen Meinungsstreit im Rahmen politischer, literarischer oder wissenschaftlicher Diskussionen. Der Begriff hat historisch einen Wandel erfahren, die ursprüngliche Bedeutung von Polemik war Streitkunst, ein literarischer oder wissenschaftlicher Streit, eine gelehrte Fehde."

Ich hoffe Sie meinen die ursprüngliche Bedeutung! Natürlich ist es richtig, dass Provokationen einer Diskussion Emotionen hinzufügt und sie dadruch belebt, aber könnten Sie das an den Pranger stellen, verurteilen und hetzen der orangenen 3-Bier-Partei überlassen? Ich kann sehr gut verstehen, wie es in den Fingern kitzelt einen Punkt à la 15. anzuhängen! Ich hätte es wohl auch gemacht... Ich habe nur die Fragen durchgelesen und wollte es eifach ansprechen...

Ich finde es überiges echt toll, dass Sie so auf Kritik eingehen können und sich die Zeit nehmen auf fast alle Komentare zu antworten! Das überzeugt mich davon, dass es in der Politik doch noch fähige Leute gibt, denen es nicht um die 8000 Euro monatlich, sondern um Vater Staat und vor allem seine Bewohner geht!

Gut Nacht...
critic (Gast) - 18. Dez, 12:20

gedenkstätte

Wie wär´s mit einer zentralen Gedenkstätte in Wien die an die Vertreibung der Volksdeutschen aus Mittel- und Osteuropa 1945-1948 erinnert?

-sKy- (Gast) - 18. Dez, 13:51

@critic

Solche Gedenkstätten, bei denen ohne Frage Bedarf besteht, darf man nicht als ewigen Konter in den Raum werfen sobald es um Gedenkstätten für die Opfer der Shoa geht.

critics (Gast) - 18. Dez, 15:05

gedebkstätte

Im Prinzip richtig, doch fällt mir auf, dass die Grünen doppelte Maßstäbe im Bereich Erinnerungskultur bzw Menschenrechte haben. Aus ihrer Sicht sind Opfer erinnerungswürdig bzw Gruppen zu unterstützen die andersgläubig, homosexuell, politisch links stehend sind bzw einer anderen Ethnie oder Rasse angehören. Die "eigenen" Opfer hingegen werden nicht für erinnerungswürdig erachtet, die "eigenen Minderheiten" wie Südtiroler, Oberschlesier oder deutsch-österreichische Minderheiten in Mittel- und Osteuropa werden ignoriert. Für ihre Interessen und Minderheitenrechte setzen sich die Grünen nicht ein, obwohl diese Menschen (zusammen ca 12 Millionen) Opfer der größten Vertreibungsaktion der Geschichte der Menschheit sind.
harald.walser - 18. Dez, 20:08

@ critics

sKy hat die treffende Antwort schon gegeben. Ich möchte nur noch einen Aspekt hinzufügen: Es gibt viele unschuldige Opfer der Nachkriegszeit (etwa die "Volksdeutschen" aus dem Osten). An sie muss in würdiger Form gedacht werden. Das Problem bestand bislang aus meiner Sicht darin, dass dieses Gedenken von rechten und rechtsradikalen Organisationen für revanchistische Gelüste vereinnahmt wurde. Die Linke hat es bislang nicht verstanden, das Thema so aufzugreifen, dass wirklich nur die Opfer und die historischen Hintergründe thematisiert werden und der Revanchismus keine Rolle spielt. Es gibt bislang wenig Anzeichen dafür, dass sich das ändert. Leider!

critic (Gast) - 18. Dez, 20:17

Initiative

Nun, dann könnten sie das ja mal im grünen Parteivorstand bzw Parlamentsklub zum Thema machen. Warum sollten die Anliegen von Südtirolern, Schlesiern, Sudeten und Donauschwaben uns Österreichern weniger wert sein als die von Albanern, Kaukasiern, Arabern, Afrikanern etc? Das hat mit Revanchismus nichts zu tun. Man kann sich ja für eine angemessene Entschuldigung be bzw Entschädigung der Opfer des CSSR Regimes 1945-1948 einsetzen ohne gleichzeitig eine Wiederangliederung des ehemaligen Sudetenlandes an Österreich bzw Deutschland zu fordern.
harald.walser - 19. Dez, 00:25

Ein interessanter Vorschlag,

meine Bereitschaft ist vorhanden, nach einer Debatte, in der sämtliche Aspekte zur Sprache gekommen sind, aller unschuldigen Opfer zu gedenken: den Opfern der NS-Barbarei genauso wie jenen kommunistischer Gewaltherrschaft und zumindest indirekt der Feigheit vieler westlicher Politiker (Jalta, Potsdam). Derzeit aber stehen wir leider erst am Anfang und tun uns immer noch schwer, unseren Anteil (NS-Zeit) deutlich zu benennen.
Armin Soyka (Gast) - 19. Dez, 01:13

Polemik: „Nazis immer besser“?

hilde (Gast) - 21. Dez, 00:47

bei allem respekt...

... die vertreibungen haben eine vorgeschichte, erst im jahr 1945 anzusetzen würde ich für einen fatalen irrtum halten. aber bei der vorherrschenden gleichmacherei - es waren nicht alles opfer! und dass man täter 1945 raushaut, da hab ich auch ein wenig verständnis - würde mich nichts mehr wundern.

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