Klaus Werner-Lobo (Gast) - 1. Dez, 12:44

Probleme mit MigrantInnen?

eins kann ich garantieren: es gibt wesentlich mehr probleme VON migrantInnen MIT menschen österreichischer abstammung als MIT migrantinnen. und wesentlich mehr menschen österreichischer abstammung als migrantInnen mit mangelnder "intergrationsbereitschaft". was ist das überhaupt? wohin soll man sich den integrieren? warum schaffen es die grünen nicht, endlich diesen absurden terminus "integration" kritisch zu hinterfragen und stattdessen von respektvollem zusammenleben unter akzeptanz von differenz zu sprechen? warum bleibt auch ihr im nationalistisch-kulturalistischen "wir" und "die anderen"-schema hängen? "gutmensch" ist übrigens ein nazi-terminus (siehe wikipedia). auch soviel bildung sollte man sich eigentlich von einem bildungssprecher erwarten. und dann, dass offen über die probleme, die sich aus dem zusammenleben unterschiedlich sozialisierter menschen (und jugendlicher) gesprochen und gestritten wird, ohne diese gleich zu ethnifizieren und zu kulturalisieren.

lg klaus werner-lobo
http://klauswerner.com

Schlechtmensch (Gast) - 1. Dez, 15:15

Besten Dank für Ihren Beitrag!

Es scheint so, als wären die Grünen an der Lösung von Problemen jedweder Art, gar nicht interessiert. Vielmehr instrumentalisieren sie die Probleme, um ihren Gesinnungsterror gegen "Andersdenkende" zu rechtfertigen.
harald.walser - 1. Dez, 16:57

Sehr geehrter Herr Klaus Werner-Lobo!

Das ist starker Tobak: Die unkritische Verwendung von NS-Sprache hat man mir bislang noch nicht vorgeworfen.
Zu Ihren Ausführungen: Der Begriff "Gutmensch" als politischer Kampfbegriff wird seit den 90er-Jahren verwendet. In dem von Ihnen zitierten Beitrag heißt es, „Gutmensch“ soll (!) bereits für die Anhänger von Kardinal Graf von Galen verwendet worden sein. Wie auch immer: breitenwirksam war der Begriff damals nicht.
Zum Wesentlichen: Natürlich ist es in akademischen Zirkeln chick, in langen Diskussionen über Begriffe zu streiten. Das Wort Integration meint jedenfalls die "Herstellung eines Ganzen", in diesem Zusammenhang also "allgemein den Zusammenhalt von Teilen in einem systemischen Ganzen und die dadurch erzeugte Abgrenzung von einer unstrukturierten Umgebung" - so in aller Klarheit (?) die von Ihnen zitierte Wikipedia. Es ist nun einmal die Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft, Integration von Minderheiten und somit ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen. Dass Minderheiten in einer Mehrheitsgesellschaft mehr Probleme haben, dass speziell in unserer Gesellschaft (nicht zuletzt "dank" des Wirkens von FPÖ, BZÖ, Krone etc.) diese Probleme (auch) durch die Mehrheitsgesellschaft verursacht sind, ist evident. Dem müssen wir uns ebenso stellen wie den durch MigrantInnen verurschten Probleme. Das ist meine gar nicht besonders neue Botschaft. Okay?
Der "Schlechtmensch" unterstellt uns, an der Lösung von Problemen nicht interessiert zu sein. Dazu fällt mir eigentlich - in Abwandlung eines Satzes von Karl Kraus - nichts mehr ein.
Klaus Werner-Lobo (Gast) - 3. Dez, 18:09

lieber herr walser, d'accord! aber sie haben ja geschrieben "Es gibt sie nämlich, die mangelnde Bereitschaft zur Integration – bei einem Teil (!) der MigrantInnen, es gibt in diesem Bereich Gewalt, es gibt Kriminalität. Letzteres ist aber statistisch bei MigrantInnen keineswegs stärker vorhanden als bei der einheimischen Bevölkerung (...)", was den schluss zulässt, dass ersteres, also die mangende integrationsbereitschaft, in erster linie dem von ihnen zitierten teil der migrantInnen zuzuschreiben ist. und das ist eben falsch. der mangel an integrationsbereitschaft liegt vor allem bei der mehrheitsgesellschaft vor, was in ihrem text weitgehend unerwähnt bleibt (auch wenn sie richtigerweise dann auf die mangelnde chancengleichheit hinweisen). ich will aber gar nicht auf formulierungsdetails rumhacken, und vor allem tragen die grünen sicher nicht die hauptschuld an dem desaster. mich beunruhigt es nur etwas, wenn jetzt der notwendige anspruch, soziale probleme und konflikte zu benennen, auch bei den grünen in kulturalisierung und ethnifizierung umschlägt. oder - wie jüngst chorherr und vassilakou - z.b. verpflichtende deutschkurse verlangen, was erstens pädagogisch sinnlos, zweitens autoritär und illiberal und nicht zuletzt uneuropäisch ist, wenn man bedenkt, dass wir hier eigentlich in einem vielsprachigen europa leben, wo jeder selbst bestimmen dürfen sollte in welcher sprache er oder sie kommunizieren will. wenn die regierungsparteien der letzten jahrzehnte verabsäumt haben, angebote zu schaffen und statt dessen integrations- und bildungseinrichtungen sukzessive ausgehungert haben, sollten die grünen den finger in DIESE wunde legen, offensiv (vor allem auch in den schulen) für respekt und mitverantwortung ALLER menschen unabhängig der ethnischen herkunft streiten, anstatt das kind mit dem bade auszuschütten und leicht abgeschwächte övp-diktionen zu übernehmen. ich halte zahlreiche vorträge an schulen und bin mit einer nicht ethnifizierenden einforderung klarer grenzen gegenüber asozialem oder diskriminatorischem verhalten immer gut gefahren. mit eindeutiger anerkennung und klaren grenzen könnten sich auch die grünen mehr respekt verschaffen als mit dem herumeiern um angebliche kultruprobleme.
in diesem sinne alles gute, verstehen sie es bitte als wohlwollende kritik!
harald.walser - 3. Dez, 19:40

Sehr geehrter Herr Klaus Werner-Lobo!

Schön, dass Sie sich Sorgen um den Respekt machen, den die Grünen genießen. Ich finde, wir liegen sehr gut - aber das wird Sie ja nicht wundern.
Es ist doch selbstverständlich, dass wir die einzige Partei im österreichischen Parlament sind, die "den Finger auf die Wunden" legen - nicht nur im Bereich der Bildung (bitte unser Programm nachlesen), sondern auch in allen anderen gesellschaftspolitischen Bereichen. Gerade vor wenigen Minuten hat bspw. unsere Abgeordnete Alev Korun hier im Parlament eine ensprechende Rede gehalten. Wer, wenn nicht wir Grüne, setzt sich wirklich für eine fortschrittliche Integrationspolitik ein? Im Lehnstuhl zuhause diktiert es sich leicht in den Computer, im Bereich Integration Tätige hingegen wissen um die Probleme. Natürlich haben Sie recht, wenn Sie schreiben, unsere Mehrheitsgesellschaft sei auf einem bedenklichen Weg - angeschoben von FPÖ, BZÖ, Krone und leider auch Teilen der ÖVP. Wir sollten aber alle Problemfelder benennen (eben auch jene im Bereich der MigrantInnen), um Forderungen nach Offenheit glaubwürdig vertreten zu können.
Klaus Werner-Lobo (Gast) - 4. Dez, 12:55

danke erstens einmal, dass sie sich so ausführlich auf diese diskussion einlassen, gerne auchmal abseits des "lehnstuhls zuhause" ;-)
und nochmal: jo eh, die integrationspolitik der grünen ist vergleichsweise fortschrittlich. gerade deswegen sollten sie die problembenennung noch massiver als bisher betreiben, aber eben nicht ethnifizieren. das sorgt nicht nur mich, sondern auch andere "im bereich integration tätige". liebe grüße aus dem lehnstuhl!
Klaus Werner-Lobo (Gast) - 4. Dez, 14:00

nachtrag (weil trackbacks hier offenbar nicht funktionieren): hab nun auch auf http://klauswerner.com/2008/12/gutmenschliches-und-die-leidige-integration über diese debatte berichtet
dieter (Gast) - 4. Dez, 21:20

@Klaus Werner-Lobo

In ihrem Vorwurfsschwall, den ich neulich ja auch im CLUB2 mit ansehen konnte, scheinen sich ein paar Widersprüche eingeschlichen zu haben.

Sie werfen Vassilakou, Chorherr und Walser vor, zu ethnifizieren, weil sie manchen Migranten mangelnde Integrationsbereitschaft vorwerfen würden.
Dann schreiben sie "der mangel an integrationsbereitschaft liegt vor allem bei der mehrheitsgesellschaft vor". Somit ethnifizieren sie selber, nur halt gegen den gemeinen Österreicher. Sie unterschieden sich also lediglich in der Aufteilung der Schuldzuweisung.

Gleichzeitig lehnen sie es aber offenbar ab, Spracherwerb - somit den gemeinsamen Nenner des ohnehin schwammigen Integrationsbegriffs - von Migranten einzufordern. Integration halten sie an sich für fragwürdig.

Wenn die Einforderung von Integration abzulehnen ist, dann dürften sie aber auch Inländern keine mangelnde Integrationsbereitschaft vorwerfen.

Weiters dürften sie die Behauptung, dass sich manche Migranten nicht integrieren wollen, ebenfalls nicht mehr als Vorwurf gegen diese Migranten auffassen.

Bei diesen widersrpüchlichen Ansichten, die sie haben, wüsste ich momentan nicht, was Harald Walser, Chorherr oder irgendjemand überhaupt sagen dürfte, um es ihnen recht zu machen.

In jedem Fall kann man sagen, dass es keine Wählerstimmen maximierende Strategie für eine Partei wäre, Inländer schuldig zu sprechen.

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Aktuelle Beiträge

ÖAAB ist im Siegestaumel...
Wie es ausschaut, haben die schwarzen Personalvertreter...
harald.walser - 27. Nov, 10:55
Sie machen für alles,...
Gauben Sie im Ernst, Herr Dr. Walser, die ÖVP...
KFWB (Gast) - 26. Nov, 15:14
Was nützt eine gemeinsame...
wenn die Schüler dort nach Strich und Faden angelogen...
KFWB (Gast) - 26. Nov, 08:31
U-Ausschuss: Was wollen...
Die ÖVP hat die SPÖ wieder einmal erfolgreich...
harald.walser - 25. Nov, 21:14
„Entscheidungsgesellschaft “...
Am vergangenen Sonntag hat der Klagenfurter Mathematiker...
harald.walser - 25. Nov, 13:26

Archiv

November 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
12
13
14
17
22
26
28
29