Fortschreibung des bildungspolitischen Elends!
Das war ja leider zu erwarten: Völlig ohne jeden innovativen und reformpädagogischen Anspruch präsentiert sich das Regierungsprogramm 2008 – 2013 in seinem Abschnitt zum Bereich Bildung. Von einer dringend notwendigen umfassenden Bildungsreform vom Kindergarten bis zu den Universitäten – etwa der gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen – ist nichts zu sehen.
In der Präambel wird versprochen, „durch massive Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung die Grundlagen auch für den zukünftigen Wohlstand unseres Landes“ abzusichern und „damit unserer Jugend die besten Startchancen in das Berufsleben“ zu bieten. Davon ist leider nichts zu merken. Nur einige Aspekte sollen herausgegriffen werden:
1. Das verpflichtende, kostenlose letzte Kindergartenjahr schreibt in pädagogischer Hinsicht nur den status quo fest. Schon derzeit besuchen 98 Prozent der 5-Jährigen einen Kindergarten. Die Betreuungsquote bei den Fünfjährigen in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen lag im vergangenen Jahr laut Statistik Austria bei 93,3 Prozent, bei den Vierjährigen bei 91,2 Prozent.
2. „Ganztägige Schulformen und Ganztagsbetreuungsangebote unterstützen die ganzheitliche Entwicklung der SchülerInnen und sind bedarfsgerecht auszubauen, wobei regional die Wahlmöglichkeit sichergestellt wird.“
3. Prinzipiell ist zu begrüßen, dass „der fremd- und muttersprachliche Unterricht ausgebaut werden“ soll. Einerseits handelt es sich dabei aber um eine reine Absichtserklärung ohne jede Konkretisierung, andererseits muss die Förderung von Kindern, die der Unterrichtssprache nicht folgen können, bereits vor dem Schuleintritt erfolgen.(„Die Schuleingangsphase wird evaluiert mit dem Ziel, geeignete Fördermaßnahmen für die Aufnahme der schulpflichtig gewordenen Kinder, die der Unterrichtssprache nicht folgen können, zu entwickeln. Es werden Projekte erarbeitet und erprobt um den erfolgreichen Volksschulabschluss zu gewährleisten.“). Mit der proklamierten Herstellung von Chancengleichheit hat das nichts zu tun.
4. „Für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden die gesetzlichen Grundlagen für die Integration nach der 8. Schulstufe erarbeitet.“ Mit keinem Wort wird im Regierungsprogramm auf die dringend notwendige Intensivierung der Integration im vorschulischen und schulischen Bereich eingegangen.
Auch im Bereich „Qualitätssicherung“ bleibt es bei unverbindlichen Absichtserklärungen. Bildungsstandards sollen „auf allen Ebenen konsequent weiterentwickelt“ werden, ebenso eine „standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung mit zentralen und schulspezifischen Elementen unter Berücksichtigung schulautonomer pädagogischer Schwerpunkte“ (auf diese Teil-Zentralmatura möchte ich demnächst genauer eingehen). Nachdem in beiden Bereichen bereits intensive Vorarbeiten gemacht und Pilotprojekte durchgeführt wurden, muss auf das verbindliche Datum der Einführung gepocht werden. Auch für die „Feedback-Kultur zwischen SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern als Teil der Qualitätssicherung“ fehlen verbindliche Angaben.
Das Regierungsprogramm im Bereich der Bildung ist das, was wir seit Jahren in Österreich erleben: die Fortschreibung des bildungspolitischen Elends!
In der Präambel wird versprochen, „durch massive Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung die Grundlagen auch für den zukünftigen Wohlstand unseres Landes“ abzusichern und „damit unserer Jugend die besten Startchancen in das Berufsleben“ zu bieten. Davon ist leider nichts zu merken. Nur einige Aspekte sollen herausgegriffen werden:
1. Das verpflichtende, kostenlose letzte Kindergartenjahr schreibt in pädagogischer Hinsicht nur den status quo fest. Schon derzeit besuchen 98 Prozent der 5-Jährigen einen Kindergarten. Die Betreuungsquote bei den Fünfjährigen in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen lag im vergangenen Jahr laut Statistik Austria bei 93,3 Prozent, bei den Vierjährigen bei 91,2 Prozent.
2. „Ganztägige Schulformen und Ganztagsbetreuungsangebote unterstützen die ganzheitliche Entwicklung der SchülerInnen und sind bedarfsgerecht auszubauen, wobei regional die Wahlmöglichkeit sichergestellt wird.“
3. Prinzipiell ist zu begrüßen, dass „der fremd- und muttersprachliche Unterricht ausgebaut werden“ soll. Einerseits handelt es sich dabei aber um eine reine Absichtserklärung ohne jede Konkretisierung, andererseits muss die Förderung von Kindern, die der Unterrichtssprache nicht folgen können, bereits vor dem Schuleintritt erfolgen.(„Die Schuleingangsphase wird evaluiert mit dem Ziel, geeignete Fördermaßnahmen für die Aufnahme der schulpflichtig gewordenen Kinder, die der Unterrichtssprache nicht folgen können, zu entwickeln. Es werden Projekte erarbeitet und erprobt um den erfolgreichen Volksschulabschluss zu gewährleisten.“). Mit der proklamierten Herstellung von Chancengleichheit hat das nichts zu tun.
4. „Für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden die gesetzlichen Grundlagen für die Integration nach der 8. Schulstufe erarbeitet.“ Mit keinem Wort wird im Regierungsprogramm auf die dringend notwendige Intensivierung der Integration im vorschulischen und schulischen Bereich eingegangen.
Auch im Bereich „Qualitätssicherung“ bleibt es bei unverbindlichen Absichtserklärungen. Bildungsstandards sollen „auf allen Ebenen konsequent weiterentwickelt“ werden, ebenso eine „standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung mit zentralen und schulspezifischen Elementen unter Berücksichtigung schulautonomer pädagogischer Schwerpunkte“ (auf diese Teil-Zentralmatura möchte ich demnächst genauer eingehen). Nachdem in beiden Bereichen bereits intensive Vorarbeiten gemacht und Pilotprojekte durchgeführt wurden, muss auf das verbindliche Datum der Einführung gepocht werden. Auch für die „Feedback-Kultur zwischen SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern als Teil der Qualitätssicherung“ fehlen verbindliche Angaben.
Das Regierungsprogramm im Bereich der Bildung ist das, was wir seit Jahren in Österreich erleben: die Fortschreibung des bildungspolitischen Elends!
harald.walser - 24. Nov, 15:37
Und ich frage mich, was man sich von einer Maßnahme erhofft, die sowieso nur ein paar Prozent aller Kinder beträfe. Wenn ohnehin schon praktisch alle Kinder in den Kindergarten gehen, dann zeigt das doch eher, dass der verpflichtende Kindergarten am angeblichen "bildungspolitischen Elend" Österreichs nichts ändern würde.
Die notwendige Begründung für den massiven Eingriff einer Kindergartenpflicht in die Menschenrechte (Artikel 26.3) fehlt für mich.
Qualitätssicherung wäre gut. Generell sollte Politik experimentell und wissenschaftlich betrieben werden. Dazu braucht man Kontrollgruppen. Z.b. in dem man derartige Maßnahmen nur in der Hälfte aller Schulbezirke einführt und dann evaluiert.
Pilotprojekte sind zu wenig, denn Pilotprojekte klappen praktisch immer.