Ein Filter für das ORF-Programm?

Ein Kabarett-Auftritt von Dirk Stermann und Christoph Grissemann an der Klagenfurter Universität ist nach mehreren Morddrohungen abgesagt worden. Das ist der traurige Höhepunkt eines Kunstskandals. Die Vorgeschichte: Die beiden Satiriker hatten sich in einem Sketch der überbordenden Trauer über den Tod Jörg Haiders (wurde bislang 215.000mal angeschaut!) gewidmet. Das führte zu schier unglaublichen Reaktionen: Die „Kleine Zeitung“ berichtet über massive anonyme Drohungen gegen das Duo und viele, die mit ihm beruflich oder privat zu tun haben. Auf ihren Kärntner Eventmanager Ingo Krassnitzer wurde ein Anschlag verübt. Die Radmuttern seines Autos wurden gelockert. Darüber macht sich der Kärntner Landeshauptmann (!!!) Gerhard Dörfler auch noch lustig: „Vielleicht hat er gerade Winterreifen gewechselt.“ Auf die Wiener Agentur Hoanzl von Stermann und Grissemann dürfte – es ist noch nicht bewiesen – ein Brandanschlag verübt worden sein.
Das Klima ist bedrohlich in unserem Land. Und Grundwerte sind in Gefahr. Der Kärntner BZÖ-Führer Uwe Scheuch meinte wörtlich zu den „Grenzen der Kunst“: „Wenn man die Kärntner Volksseele verletzt, dann hat die Kunst ihre Grenzen.“ Der Kärntner Landeshauptmann Dörfler weiß haargenau, wer die Grenzen der Kunst festlegen soll: „Das kann ein Politiker auch definieren.“ Und der stramme Recke weiß auch, wie man das durchsetzt: „Man sollte dem Programm einen Filter vorschalten, die Sendungen anschauen, ob sie herabwürdigend sind. Das müssen die Programmverantwortlichen entscheiden können.“ ÖVP, BZÖ und FPÖ fordern in gefährlicher Eintracht Maßnahmen gegen die beiden Künstler – die Palette reicht von einem Auftrittsverbot im ORF bis zu einem „Zwangsurlaub“ auf der Kärntner Saualm, wohin in Kärnten rechtswidrig AsylwerberInnen verfrachtet werden.
Wohl in kaum einem Land ist es möglich, dass Derartiges zu keinem politischen Skandal führen. In Österreich im Allgemeinen und in Kärnten im Besonderen ist das nicht so.
Das einzig Positive: Es gibt sie noch – die Zivilgesellschaft. Wegen der Drohungen gegen die Kabarettisten hat der Künstler Günter Brus seine Werke für die Schau „68/08“ in Klagenfurt zurückgezogen. Er protestiert gegen den Umgang der Landespolitik mit Kunst. Anwesende weitere KünstlerInnen gaben eine Solidaritätserklärung für die Brus-Aktion ab. Und eines darf auch erwähnt werden: Welche Partei protestiert gegen die Kunst-Hetze und steht auf gegen die bedrohliche Entwicklung? Außer den Grünen leider keine!

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