Einfach zum Nachdenken!

Martina Bogensberger ist 30 Jahre alt, geschieden und Mutter zweier Söhne (drei und fünf Jahre alt). Sie ist am Montag in Graz zur "Alleinerzieherin des Jahres 2008" gekürt worden, weil sie ihren Alltag, ihre Berufsausbildung und ihre Patchwork-Familie besonders gut managed. 20 Stunden pro Woche arbeitet sie bei der Heimhilfe der Caritas, nebenbei hat sie ihr Doktoratsstudium in Ethnologie beendet.
Dieser Preis wurde vom "Patchwork Familien Services" verliehen. Das ist laut Eigenbeschreibung ein "Verein für Elternteile & Familien im Wandel mit Hauptsitz in Graz", natürlich gemeinnützig, überparteilich und überkonfessionell. Er möchte in Trennung und Scheidung befindliche Familien "nicht richten, sondern aufrichten" und bietet AlleinerzieherInnen, Besuchselternteilen und Patchworkfamilien psychologische, juristische und medizinische Beratung an.
Das größte Problem für AlleinerzieherInnen, aber auch für berufstätige Paare ist natürlich die Vereinbarung von Beruf und Kindererziehung.
In Österreich leben 181.700 Ein-Eltern-Familien mit 262.500 erhaltenen Kindern bis 27 Jahre. Überwiegend sind Mütter alleinerziehend (11% aller Familien: alleinerziehende Mütter; 2% aller Familien: alleinerziehende Väter) Alleinerziehende und ihre Kinder sind überproportional von Armut und Armutsgefährdung (27 %) betroffen. Erst wenn AlleinerzieherInnen berufstätig sind, minimiert sich das Armutsrisiko. Maßnahmen zur Existenzsicherung sind daher besonders wichtig, Hilfe zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein gesellschaftliches Muss. Wir brauchen daher die bedarfsorientierte Grundsicherung, ein einkommensabhängiges Karenzmodell mit Rechtsanspruch auf kostenlose Konderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr. Die jetzuige Krise kann sinnvoll genützt werden, indem man den Ausbau der Kinderbetreuung vorantreibt, Arbeitsplätze schafft und gleichzeitig oft Hochqualifizierten und dringend benötigkten Fachkräften wie Martina Bogensberger den Berufseinstieg ermöglicht. Vielleicht erkennen die Regierungsverhandler ja noch, dass wir im 21. Jahrhundert leben.
Derzeit fehlen etwa 80.000 Kinderbetreuungsplätze (besonders für unter 3-Jährige). Neben der Schaffung zusätzlicher Plätze muss es auch eine qualitative Verbesserung des Angebots geben, denn nur 6% der Krippen bzw. 16% der Kindergärten sind mit einer Vollbeschäftigung vereinbar. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten ist dringend notwendig!
Übrigens: Der Preis, den Martina Bogensberger und ihre beiden Buben bekamen, ist eine 14-tägige All-Inclusive-Reise.
marko (Gast) - 24. Nov, 16:38

nicht nur Alleinerziehen ist schwer, auch das fit bleiben am Arbeitsmarkt. Gratuliere dieser Frau!

Es ist nicht nur schwer ein Spagat zwischen Beruf und der Kindererziehung zu schaffen, leider ist es in Vorarlberg auch so, dass auch der Spagat zur Weiterbildung noch viel schwerer ist. In Zeiten vom lebenslangen Lernen, ist das Angebot rar, oder sehr teuer!

Interessant finde ich das diese Frau noch ein Studium gemacht hat. Ich selber wollte dies schon länger auch machen, doch ich konnte den Spagat noch nicht machen.
Irgendwie fehlen mir die richtigen Lösungen.

Gerade mal zwei Studiengänge, bietet die FH Nebenberuflich an. Doch was mach ich mit den Kindern an den Zeiten der Vorlesung! Vor allem am Samstag?

Es arbeitet nicht jeder in einer sozialen Einrichtung! Wie kann man dies machen, wenn man im Einzelhandel arbeitet, oder in der Industrie! Auf der einen Seite soll man in Zukunft immer flexiblere Arbeitszeitmodelle erfüllen, aber die Bildungseinrichtungen scheinen davon nicht sonderlich berührt!

Wifi Kurse kosten schon über einen Monatsnettolohn, im Semester und die AK, übrigens eine der einzigen Einrichtungen mit Kinderbetreuung, bietet nicht diese qualifizierten Kurse an!

Sehen Sie auch die Möglichkeit hier was zu unternehmen Herr Walser! Auch die Erwachsenenbildung wieder machbar zu machen!!

harald.walser - 24. Nov, 17:30

Gerade in der Krise,

ist die Erwachsenenbildung eine große Herausforderung. Das Regierungsprogramm bleibt leider auch hier vage, sieht aber Lebensbegleitendes Lernen als "Chance zur Entwicklung der Persönlichkeit, der Gesellschaft und der Wirtschaft". Wie das finanziert werden soll, bleibt unklar und wird nur beim Nachholen von Abschlüssen angedeutet: "Gemeinsam mit den Ländern soll im Wege von Kofinanzierungsmodellen das kostenfreie Nachholen von Bildungsabschlüssen aller formalen Ausbildungen der Sekundarstufe I und II (inklusive der Berufsreifeprüfung) in einer altersgerechten Form ermöglicht werden. Eine Ausweitung der Teilrechtsfähigkeit von Schulen wird in diesem Zusammenhang angedacht."
Wir brauchen diesbezüglich sicher massive Anstrengungen und neue Ideen (etwa einen Bildungsscheck).

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