Was spielt sich da in Italien ab?

Was sich derzeit in Italien abspielt, ist wohl nicht nicht wirklich einzuschätzen. Einige sprechen schon von einem neuen "1968". Tatsache ist, dass seit Wochen Millionen Menschen - hauptsächliche SchülerInnen und StudentInnen - auf der Straße gegen eine Bildungsreform protestieren. Gestern haben alle (!) Lehrergewerkschaften zum Generalstreik an Schulen und zu Kundgebungen aufgerufen. Immerhin sollen in den nächsten drei Jahren fast 90.000 Lehrerstellen gestrichen werden. Einige Medien sprechen sogar von 130.000 Stellen.
Eines ist somit klar und erinnert uns an so manches, was auch unsere Liesl ("Ich habe ein Budget zu sanieren und damit basta!") als "Reform" verkaufen wollte: Auch in Italien handelt es sich vor allem um Sparmaßnahmen. Über 8 Mrd. € will Berlusconi im Bildungsbereich weniger ausgeben. Betroffen ist die Grundschule genauso wie die Universität. Kritiker meinen, es handle sich am Vorabend einer möglichen großen Weltwirtschaftskrise um einen groß angelegten Angriff auf das öffentliche Bildungswesen. Eine genauere Analyse der Hintergründe finde sich auf der Homepage von Indymedia.
Sind die Massendemonstrationen in Italien ähnlich wie die StudentInnenproteste im Jahr 1968 das Vorzeichen einer europäischen Revolte gegen unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem? Auch damals gab es nach einer langen Phase eines Wirtschaftswunders erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg Einbrüche, weltweit begann sich die wirtschaftliche Lage zu verschlechtern, es gab Arbeitslosigkeit und große Verunsicherung. Und auch damals begann die Revolte mit Protesten von StudentInnen.
Ist auch der Protest gegen die italienische "Bildungsreform" nur der Anlass und nicht die Ursache der Unruhen? Geht es im Kern darum, wer die gewaltigen Kosten für die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen und die jetzige Spekulationskrise bezahlen soll?
Was nachdenklich stimmt: Wie 1968 wissen die Protestierenden zwar, was falsch läuft in unserer Gesellschaft, sie haben aber keine klaren Ziele. Zu erinnern ist an die Einschätzung der damaligen Revolte durch den französischen Soziologen Pierre Bourdieu in Richtung der 68er: "Ich bin mit Euch einverstanden, aber Achtung: es gibt nichts Schlimmeres als eine fehlgeschlagene Revolution! Denn die macht genauso viel Angst wie eine gelungene Revolution und ist doch nicht gelungen."
unabasta (Gast) - 31. Okt, 18:45

Was haben Sie gegen Liesl Gehrer?

Österreich hat doch das beste Bildungsangebot weltweit.

Derzeit verhandeln eine Zahnarztassistentin und ein Handelsschüler, den großen Brocken Wirtschaft für das Koalitionsübereinkommen. Und sollten beide, so hoffen wir doch, ein Regierungsamt übernehmen, fressen ihnen die bestbezahlten Manager unser Steuergeld aus der Hand.

Trackback URL:
http://haraldwalser.twoday.net/stories/5289852/modTrackback

Aktuelle Beiträge

Es ist immer leicht...
...die eigenen Fans zu befriedigen. Schwierig ist es...
Plumps! (Gast) - 25. Dez, 19:34
Lichter
Die Grünen haben heuer wirklich viel Gutes bewirkt....
Chrom (Gast) - 24. Dez, 23:30
Hier eine "Weihnachtsbotschaft"
für Menschen, welche willens sind, fortan von...
KFWB (Gast) - 24. Dez, 08:19
Ein Jahr im Parlament!
Von der Internet-Plattform „politspiegel.at“...
harald.walser - 23. Dez, 18:58
Skandal
Ich bin sehr traurig und hoffe dass die Verleiher dieses...
Helmi (Gast) - 22. Dez, 19:05

Archiv

Oktober 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 3 
 8 
15
16
25
29
30