byron sully (Gast) - 12. Okt, 03:26

ein nicht leichter spagat...

ich denke, unsere gesellschaft/kultur ist sich großteils darüber einig, daß das leben unser höchstes gut ist, der verlust dessen insofern ein schwerer verlust. daß der tod von menschen betrauert wird, ist insofern selbstverständlich.
andererseits gibt es auch menschen, über die wohl kaum wer von uns worte der trauer verliert (ich denke da an massenmörderInnen, diktatorInnen usw). das heißt, es wird sehr wohl danach unterschieden, was der/die verstorbene zeit seines/ihres lebens getan bzw. gesagt hat.
ohne den aktuell verstorbenen in eine reihe mit den ärgsten verbrecherInnen in eine reihe stellen zu wollen, aber grad die grünen haben sich (zurecht) zeit seines lebens klar von ihm distanziert, also seine handlungen/worte großteils als zutiefst unmoralisch empfunden.
nun muß man nicht zu ungustiösen methoden à la michael genner nach dem tod von liese prokop greifen - das war wirklich jenseits des guten geschmacks. aber zwischen pietätlosigkeit und der postmortalen bewunderung gäbe es noch zwischen-möglichkeiten (etwa schweigen oder eine beschränkung darauf, den hinterbliebenen zu kondolieren). daß politikerInnen von spö, övp und auch der grünen zwanghaft versuchen, die positiva des verstorbenen herauszustreichen, befremdet mich zutiefst. es ist selbstverständlich ein tragischer tod und ein schmerz für die angehörigen, keine frage. aber es gab nun mal einen politiker j.h., der zeitlebens sehr viele negativa zu verbuchen hatte. die werden wohl nicht nun allesamt vergessen sein.
deswegen denke ich, daß man's entweder beim bloßen kondolieren belassen sollte oder wenn man schon allfällige positiva erwähnt, dann MÜSSTEN aus meiner sicht konsequenterweise die negativa miterwähnt werden (und nicht auf formulierungen wie unterschiedliche meinungen reduziert werden - das fand ich beim ableben von klestil, sinowatz & co. vertretbar, hier sicher nicht).
fühl mich persönlich durch die statements von vdb und glawischnig etwas befremdet, möchte aber den blog-eintrag von marco schreuder durchaus positiv hervorheben.
es geht nicht um pietätlose abrechnung, aber es sollte auch nicht ins gegenteil münden. ein tragischer tod, ein schmerz für die angehörigen, aber kein grund, aus einem politiker, der von programm, taten und aussagen her gegen fundamentale grundwerte verstoßen hat, wegen dieses traurigen schicksals posthum zum helden zu erklären. die grüne führungsspitze hat hier sicher nicht in meinem sinne gehandelt.

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