Mehr Sachlichkeit in der Bildungspolitik!

Das Wifi hat am Montagnachmittag in Dornbirn eine wirklich spannende Veranstaltung mit hervorragenden Bildungsexperten organisiert. Wenig überraschend kam das österreichische Bildungswesen dabei nicht sonderlich gut weg.
Der Hamburger Erziehungswissenschaftler Professor Peter Struck wies darauf hin, dass der Trend überall dahin geht, Kinder früher einzuschulen und die Grundschulzeit zu verlängern. Zudem plädierte er für die Aufhebung der starren Jahrgangsstufen: Frühgeförderte Sechsjährige sind oft schon auf dem Stand von Achtjährigen, vernachlässigte auf dem Stand von Vierjährigen. Die erfolgreichsten PISA-Länder hätten eine neunjährige gemeinsame Grundschule - oft mit jahrgangsübergreifendem Unterricht. Und auch die typisch österreichische und deutsche Halbtagsschule sei überholt. Er übte zudem scharfe Kritik an den Unterrichtsmethoden: Es reiche nicht, dass Schüler zuhören, um etwas dauerhaft zu lernen. Sie müssten die Möglichkeit haben, es selbst auszusprechen. Bei uns spreche ein/e SchülerIn pro Unterrichtseinheit im Schnitt nur eine Minute, in Finnland acht Minuten.
Struck verwies auf die neuesten Forschungsergebnisse aus der Lernpsychologie und Hirnforschung. Die dortigen Ergebnisse zeigten, dass erfolgreiches und nachhaltiges Lernen neu gestaltet werden müsse (Lernen mit gegenseitigem Respekt, Schüler nicht beschämen, produktives Nutzen einer Fehlerkultur).
Der Bildungsökonom Ludger Wössmann (Wirtschaftsforschungsinstitut der Universität München) plädierte aus rein volkswirtschaftlicher Sicht dafür, besonders in die frühkindliche Bildung zu investieren, das bringe dem Staat mit Abstand am meisten. Er wies darauf hin, dass statistisch gesehen die PISA-Sieger langfristig auch das höchste Wirtschaftswachstum haben – vielleicht ist das für die ÖVP ein Anreiz, endlich von ihrer starren Verhinderungsposition in der Bildungsthematik abzugehen.
M. Brunner, Höchst (Gast) - 16. Sep, 23:19

Nochmals zu "interkulturell"

Sehr geehrter Herr Dr. Walser!
Komme leider erst jetzt dazu, nochmals auf das angeblich "Interkulturelle" an dem Fest vom Samstag (Dornbirn) einzugehen. Denken Sie doch bitte gründlicher nach (Sie sind doch wissenschaftlich gebildet): Sie u.a. beteiligte Christen/Nichtgläubige haben zu dem Fest keinerlei eigenständigen kulturellen Beitrag geleistet, somit war das Fest eben nicht INTERkulturell (ZWISCHEN den Kulturen), sondern Islam PUR mit Duldung/Anteilnahme im kulturellen Verhalten "angepasster" (assimilierter) Christen/Nichtgläubiger!!!

harald.walser - 17. Sep, 08:59

Sehr geehrte Frau Brunner!

Das wird ein Streit um Worte: Für mich sind Begegnungen bei Festen, Kulturveranstaltungen etc. eben "interkulturell". Für Sie nicht. Das akzeptiere ich als Ihre Meinung.
anton (Gast) - 18. Sep, 16:12

Frage

Wieso müssen eigentlich unsere Lehrlinge, die Kosten für die Berufsschule selber tragen (600€/Jahr).
Wieso gibt es dort keinen Vorstoß, seitens der Politik, die Bildung ja für Jedermann leistbar machen will.

harald.walser - 18. Sep, 17:01

Lehrlinge bekommen eine Entschädigung,

es kann/muss aber sicher darüber geredet werden, wie man mit unserem dualen System der Ausbildung weitermacht.
Eine Entwicklungsmöglichkeit ist die Schaffung von Lehrverbünden. Die Mittel dafür sollten aus einem neu zu schaffenden Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Betrieben kommen. Ein Schwerpunkt ist die höhere Qualität (und wohl auch Dauer) der Berufsschule, damit der Lehrabschluss nicht in eine Bildungssackgasse führt, sondern ein Weiterstudium möglich macht.
anton (Gast) - 18. Sep, 18:13

Was verstehen Sie unter Lehrverbünden?
Eigentlich kommen wir (Betrieb, Unternehmen) freiwillig, für die Kosten der Berufsschule auf. Ich finde es nur komisch, dass nie ein Wort darüber verloren wird oder wurde, wieso Studierende ohne Studiengebühren auskommen können, und Azubis Ihre Berufschule von der mageren Entschädigung selber bezahlen müssen.
Ob eine höhere Dauer und Qualität der Berufsschule von nöten ist , wage ich nicht zu hinterfragen, dazu fehlt mir der nötige Pädagogische Fachverstand.

mfg anton
harald.walser - 18. Sep, 18:45

Lehrlingsausbildung

Derzeit - so sagen Fachleute - liegen die Probleme in zu wenig "guten" Ausbildungsplätzen, gerade bei wenig nachgefragten Berufen. Lehrverbünde könnten Abhilfe schaffen. Warum sollten nicht Betriebe gemeinsam ausbilden, warum sollte nicht ein Ausgleich geschaffen werden zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben. Schon jetzt können Lehrlinge ja teilweise in fremden Betrieben "schnuppern", einen Teil der Ausbildung machen. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

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