Reiche stärker zur Kasse bitten!

Im Wahlkampf sind die rot-schwarzen Almosenverteiler unterwegs und überbieten sich in Vorschlägen, wie den "Menschen draußen" geholfen werden kann.
"Draußen" sind in der Tat viele: Über eine Million Menschen in Österreich muss mit weniger als dem Existenzminimum auskommen. 184.000 Menschen liegen mit ihrem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle, obwohl sie ganzjährig vollzeitbeschäftigt sind.
Ihnen bieten die Großparteien ein paar Euro hier und ein paar Euro da - ein Konzept gegen das Auseinanderdriften der Gesellschaft ist nicht zu erkennen. Wesentlich wird sein, wie die nächste Regierung die Steuerproblematik angeht. Derzeit wird Arbeit steuerlich über Gebühr, Vermögen praktisch gar nicht belastet. Der Anteil der Abgaben und Steuern aus dem Faktor Arbeit (Lohnsteuer, Einkommensteuer, Sozialversicherungsbeiträgen etc.) am BIP stieg in Österreich von 23.7% (1990) auf 26,4% (2005), während er in der EU-15 sogar geringfügig auf 21.7% sank. Im gleichen Zeitraum fiel der Anteil aus Vermögensteuern in Österreich von 1.1% auf 0.6% des BIP (in der EU15 stieg er von 1.6% auf 2.1%).
Diese Tendenz muss umgekehrt werden, die Reichen müssen ihren Anteil am Steueraufkommen leisten. Dazu gehört eine moderate Vermögensbesteuerung von Immobilien ab einem Freibetrag von 100.000 € pro Person in der Höhe von 0,5 Prozent bei gleichzeitiger Abschaffung der Grundsteuer (was den Gemeinden zu ersetzen ist). Allein diese Maßnahmen bringen Nettoeinnahmen von ca. 2.5 Mrd. €.
Unter anderem kann damit eine absolute Notwendigkeit finanziert werden: die "Negativsteuer" (also Zahlungen des Staates an niedrige EinkommensbezieherInnen) für jene, die unter 14.000 € pro Jahr verdienen. Dazu gehören auch kleine UnternehmerInnen: Deshalb treten wir - bei aufrechten Versicherungsansprüchen - für die Aufhebung der Mindestversicherungsbeiträge ein.
Alimentarius (Gast) - 28. Aug, 08:38

EU-15?

Herr Dr. Walser es ist Ihnen (als Historiker) doch hoffentlich nicht entgangen, dass die EU mitlerweile aus 27 Mitgliedsstaaten besteht.

Also bitte, wenn Sie einen EU-Vergleich anstellen, dann bitte warten, bis eine entsprechende Statistik im "Netz" verfügbar ist.

harald.walser - 28. Aug, 09:06

Danke für den Hinweis!

Vor allem Wirtschafts- und FinanzwissenschaftlerInnen greifen gerne auf die EU-15 zurück, weil die Steuersysteme bei den neuen Mitgliedsstaaten sicht deutlich von jenen der alten unterscheiden - vor allem das Problem des Steuerdumpings ist zu erwähnen. Oder wollen Sie ebenfalls auf diesen neoliberalen Zug aufspringen und Österreich noch stärker in diese Richtung drängen. Ich bleibe dabei: Der Vergleich mit der "alten EU" ist aussagekräftiger!
Elmar Zuchristian (Gast) - 28. Aug, 12:03

Herr Dr. Walser, sicher ist Ihnen auch nicht entgangen, dass wir bereits im "neoliberalen Zug sitzen"

Ob es uns nun passt, oder nicht: Die gesamte EU sitzt im neoliberalen Zug. Wie sollen wir da "aufspringen"? Unser wirtschaftliches Klima ist der Neoliberalismus. Wir können ihm nicht entkommen. Deshalb muss es das Ziel einer vernünftigen Politik sein, einerseits die Vorteile des Neoliberalismus zu nützen und andererseits den Schaden, den der Neoliberalismus zweifellos anrichtet, von den Menschen abzuwenden. Dies ist leichter gesagt, als getan. Aber dazu sollten wir uns Politiker wählen, welche zumindest versuchen eine realitätsbezogene Politik zu machen.
Kurt Greussing (Gast) - 28. Aug, 13:38

Ach Gott, dieser "Alimentarius"...

... hat offenbar niemanden zu Hause, der ihm (noch) zuhört. Warum sonst quält er, obwohl die Folter seit Maria Theresia abgeschafft ist, ihm völlig fremde Leser eines Polit-Blogs mit seinen absurden Einfällen? Natürlich nehmen selbst aktuelle EU-Statistiken immer wieder die EU-15 als Bezugsgrundlage, wenn das sinnvoll ist (oder besser ins Bild passt). Im "Eurostat Jahrbuch 2008" zum Beispiel bei Arbeitspoduktivität (S. 102-3), privater Sparquote (S. 112) oder bilateraler öffentlicher Entwicklungshilfe (S. 157).
Elmar Zuchristian (Gast) - 28. Aug, 09:07

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird nicht durch die Vermögensbesteuerung bestimmt

Beispielsweise geht die Schere zwischen Arm und Reich sowohl in den USA, als auch in Großbritannien viel weiter auf, als in Österreich, obwohl in beiden Ländern mit 11- 12% des BIP die Vermögenssteuer um ein Vielfaches höher ist, als in Österreich.

Kurt Greussing (Gast) - 28. Aug, 11:40

Da mögen Sie schon recht haben, nur...

... behauptet Harald Walser ja nirgendwo in seinem Beitrag, die sinkende Besteuerung von Vermögen sei der einzige oder wesentliche Grund für das Auseinanderklaffen der Einkommensverteilungsschere. Sondern er sagt: Eine vertretbare Besteuerung von Vermögen würde dazu beitragen, diese Schere (z.B. durch Finanzierung einer "Negativsteuer" für Geringverdienende) etwas zu schließen. Was, bitte, gibt's gegen diese Position einzuwenden?
juergenS - 28. Aug, 13:35

JuergenS

ich halte es nicht für sinnvoll schon bei 100 000 zu beginnen, soviel kostet eine 40 quadratmeter wohnung in gewissen gegenden österreichs. Man sollte hier erst bei höheren Summen ansetzen und sich das wirklich genauer anschauen, welche vermögenswerte menschen mit geringem einkommen überhaupt besitzen können , man sollte hier auch differenzieren in die obere mittelschicht und eben den vermögenden.

riole (Gast) - 28. Aug, 17:07

100.000 in bar

Wenn jemand eine Eigentumswohnung aus eigenem Vermögen, also quasi bar bezahlen kann, ist sie/er vermutlich nicht ein "Mensch mit geringem Einkommen". Wenn sie/er dafür einen Kredit aufnimmt, ist die Wohnung ja nicht oder nur teilweise sein Vermögen und die Steuer greift nicht. Ist die Wohnung dann abbezahlt und er/sie wohnt billig, kann sie/er ja einen entsprechenden Beitrag für mehr Gerechtigkeit beisteuern.
Alimentarius (Gast) - 28. Aug, 18:01

Herr Dr. Kurt Greussing,

Es tut mir ja so leid, Sie mit meinem Beitrag einer mittelalterlichen Folter ausgesetzt zu haben.

Hoffentlich empfinden Sie es nicht wie eine "zweite Christenverfolgung", wenn ich Ihnen hier höflichst mitteile, dass Herr Dr. Walser mein Posting schon hinreichend beantwortet hat. Ich glaube auch annehmen zu dürfen, dass ich Herrn Dr. Walser mit meinen Zeilen keineswegs irgend welches Leid zugefügt habe. Ganz im Gegenteil, ein Lehrer, so nehme ich einmal an, freut sich über aufmerksame Schüler. Und schließlich will Herr Dr. Harald Walser für uns Vorarlberger in den Nationalrat einziehen. Da will er sicher ein Kandidat für alle sein, auch für die Ihrer Ansicht nach „Unbedarften“.

Anna J. (Gast) - 30. Aug, 16:29

Dem Anliegen kann ich mich nur anschließen und Gandhi zitieren:
"Es ist genug da für die Bedürfnisse von allen, aber nicht für die Gier von allen !"

hans (Gast) - 6. Sep, 15:14

Zu wenig um die Grundbedürfnisse zu befriedigen hat niemand in Österreich. Aber die Gier vieler ist gross die gerne was von dem haben, was andere sich verdient und erarbeitet haben

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