Die Sorgen des ÖVP-Nachwuchses!

Nachdem der ÖVP-Nachwuchs nicht locker lässt und fortlaufend meinen sofortigen Rücktritt als Direktor fordert, musste ich heute in einer Pressekonferenz Stellung beziehen.
Wichtig war mir festzustellen, dass es prinzipiell zwei Möglichkeiten gibt, einen Wahlkampf zu bestreiten:
• Man versucht sachlich zu bleiben, Lösungsvorschläge für bestehende Probleme anzubieten und darüber zu diskutieren.
• Man verlässt die Sachebene und redet die Konkurrenz schlecht.
Was ist das Problem der Jungschwarzen?
Ich will auf mein Recht auf volle Freistellung verzichten, um den Schulbeginn an meinem Gymnasium zu organisieren (ohne zusätzliche Bezahlung)! Die Nachwuchsorganisationen der ÖVP befürchten, ich könne das Amt parteipolitisch ausnutzen und SchülerInnen beeinflussen. Der Vorwurf geht ins Leere:
• Ich unterrichte im Herbst (im Gegensatz zu etlichen ÖVP-MandatarInnen) nicht!
• Die Aufgaben eines Direktors zu Schuljahresbeginn eignen sich nicht für parteipolitische Propaganda, sondern bestehen u.a. in Folgendem:
o Erstellung der Lehrfächerverteilung
o Einteilung der Klassen
o Zuteilung der Klassenräume
o Organisation der Pausenaufsichten
o Schülereinschreibung
o Durchführung der Eröffnungskonferenz und anderer Konferenzen
o Schulbuchausgabe
o etc.
Zudem habe ich festgehalten:
• Der Landesschulrat hat auf Anfrage der Presse ausdrücklich bestätigt, dass ich auf Wunsch des Landesschulrates die Geschäfte führe.
• Auch der Obmann der Personalvertretung möchte das so.
• Sämtliche Personalvertreter wurden persönlich informiert.
Ich fordere die ÖVP auf, im angelaufenen Wahlkampf auf Sachargumente zu setzen und nicht auf persönliche Untergriffe. Letzteres schadet nicht nur dem Ansehen der Politik in unserem Land, sondern auch den betroffenen Institutionen!
Die Sorgen der Schülerunion und der jungen ÖVP möchte ich haben!Vielleicht macht sich die angebliche SchülerInnenvertretung auch über folgende Fragen Gedanken:
1. Was können wir tun gegen die vielen Wiederholungsprüfungen und das pädagogisch in vielen Fällen sinnlose Wiederholen eines Schuljahres?
2. Was können wir tun, um die Ausbildung aller pädagogischen Berufe auf universitäres Niveau zu heben?
3. Was können wir tun, um möglichst rasch Kinder mit Sprachdefiziten stärker zu fördern?
4. Was können wir tun, um möglichst rasch eine Verbesserung in den Kindergärten herbeizuführen (etwa kleinere Gruppen, Einführung von Zählfaktoren von 1,5 für Kinder mit Sprachdefiziten, Rechtsanspruch auf Aufnahme in den Kindergarten …)?
5.Was können wir tun, um unser Schulsystem gerechter zu machen? Derzeit sind in keinem anderen Land die Leistungsunterschiede im Lesen zwischen den sozioökonomischen Gruppen so groß wie in Österreich (Die Pisa Studie, Günter Haider, Claudia Schreiner, S. 205).
6.Was können wir tun, um insbesondere die Mittelstufe effizienter zu machen (14% der VolksschülerInnen haben Leseschwächen, in der Folge sogar noch mehr: Bei den 15-Jährigen sind es schon 21%)?
7. Was können wir tun, um Spitzenleistungen zu fördern? In Österreich gehören im Lesebereich nur 8% zur Spitzengruppe, in Neuseeland oder Finnland sind es doppelt so viele! Ähnlich ist die Situation in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen.
Auf Antworten zu diesen Fragen würde ich mich freuen!
Jonas (Gast) - 19. Aug, 06:47

Schon sehr merkwürdig was die Schülerunion da aufführt?!

Zuchristian Elmar (Gast) - 19. Aug, 09:15

"Was können wir tun?"

Das ist die richtige Frage. Diese sollte man nicht nur an die Schülerunion richten, sondern an alle Staatsbürger.

Beispielsweise in Edmonton (Kanada) wurde von Eltern, welche sich genau diese Frage gestellt hatten, eines der besten Schulsysteme errichtet. Dort werden nicht nur die Schüler benotet, sondern in erster Linie die Lehrer. Jeder Direktor kann sich seine Lehrer selbst aussuchen und es gibt keine Schulsprengelregelung. Die Eltern können ihre Kinder vollkommen frei in die Schule ihrer Wahl entsenden. Die Schule mit den meisten Schülern bekommt das meiste Geld und die Lehrer können somit nach Leistung entlohnt werden.

So hat es mir mein Neffe, der in Kanada lebt, erklärt. Studieren will er seine Kinder allerdings in Österreich lassen. Die Studiengebühr in Österreich sei nicht der Rede wert, gegenüber den Studienkosten in Kanada.

Michael (Gast) - 19. Aug, 11:38

Wählen gehen!

Antwort auf alle Fragen: Kluge, vorausschauende Menschen in die Parlamente wählen, Ausgaben umschichten, ungeeignete Lehrerinnen und Lehrer entlassen usw.
...und die Schülerunion kann sich da auch einbringen, aber einem kompetenten Kandidaten, der Sachverstand, Menschenkenntnis und Engagement mitbringt einfach nur ans Bein zu pinkeln ist ein bischen wenig! Ich hoffe sehr, dass Harald Walser ab Herbst in Wien einen Beitrag leisten kann um unser Bildungssystem weiter zu bringen!

arnobrändle.com (Gast) - 20. Aug, 08:32

ÖVP verblendet Nachwuchs - und nervt!

Früh krümmt sich, wer ein Häkchen werden will.
Anstatt, dass sich junge Menschen in der politischen Landschaft zu orientieren versuchen, werden sie als Speerspitze für einen unschönen Wahlkampf missbraucht. Sie lassen sich aufbringen gegen etwas, wo es nichts auszusetzen gibt. Ein Direktor ist in erster Linie seiner Schule verpflichtet. Dass er bereit ist, für einen geordneten Übergang zu sorgen, gereicht ihm zur Ehre und lässt sich nur schwer als Kritikpunkt verwenden. Schade, geradezu peinlich, ist, dass eine Großpartei ihren Nachwuchs für solche dümmlichen Attacken missbraucht. Auch ich orte ganz andere Problemfelder im Bildungsbereich als einen arbeitswilligen Direktor.
Kann es sein, dass die langjährige Regierungspartei durch dieses Ablenkungsmanöver versucht, junge Menschen auf eine falsche Fährte zu setzen, um sich damit die innerparteiliche Diskussion um die Verbesserung der Chancen von jungen Menschen in Österreich zu ersparen?

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