kostenloser Counter

A A A
HOME / /
FOLLOW
18. Februar 2015

Es braucht ein eigenes Fach „Ethik- und Religionenunterricht“!

Pressekonferenz-Ethikunterricht„In einer unserer vierten Klase haben sich alle (!) Schülerinnen und Schüler vom Religionsunterricht abgemeldet“, das hat mir letzte Woche der Administrator einer großen AHS erzählt. Eine Stimme von vielen, die auf bestehende Probleme des konfessionellen Religionsunterrichts verweisen. Gemeinsam mit dem Theologen Univ.-Prof. Dr. Anton A. Bucher, an der Universität Salzburg zuständig für die Ausbildung der katholischen ReligionslehrerInnen und Autor einer lesenswerten Analyse zu diesem Thema, habe ich heute daher meine Forderung nach einem weltanschaulich unabhängigen verpflichtenden „Ethik- und Religionenunterricht“ bekräftigt. Einen entsprechenden Antrag (Verpflichtender-gemeinsamer-Ethikunterricht (pdf, 80 KB)) werde ich nächste Woche im Nationalrat einbringen. Hier der Link zum Zeit-im-Bild-Beitrag.
Wer die Forderung nach einer gemeinsamen Werteerziehung ernst nimmt und wirklich will, dass alle Kinder und Jugendlichen gemeinsam über Themen wie Gewalt, die Stellung der Frau etc. diskutieren, sollte sich dem anschließen.
Der Schulversuch zum Ethikunterricht aber dümpelt vor sich hin. Vorrang haben muss die ethisch-religionskundliche Bildung aller österreichischen SchülerInnen – und nicht die Eigeninteressen von Religionsgemeinschaften. Am angemessensten leistet dies ein so weit wie möglich weltanschaulich neutrales Fach Ethik und Religionen, das in Kooperation der Religionsgemeinschaften untereinander und mit dem Staat zu entwickeln wäre, aber auch mit dem Bund der Konfessionsfreien.
Für ein solches Fach spricht nicht nur, dass es finanziell günstiger wäre, sondern auch, dass „konfessioneller“ Religionsunterricht faktisch oft schon lange Religionskunde ist. An Gymnasien verfolgen 80 Prozent der katholischen ReligionslehrerInnen das Ziel, SchülerInnen sollen andere Religionen kennenlernen, nur 29 Prozent die Glaubenslehre der Kirche.
Das österreichische Schulorganisationsgesetz fordert, dass die Schule auch „sittliche, religiöse und soziale Werte“ an die nachrückende Generation vermittelt. Lange konnte davon ausgegangen werden, dass dies in einem katholisch geprägten Land wie Österreich der Religionsunterricht leistet. Doch mittlerweile leben gut zwei Millionen konfessionsfreie MitbürgerInnen in unserer Republik, der Anteil der Katholiken sank von etwa 90 Prozent im Jahr 1950 auf heute nur noch gut 60 Prozent, zudem melden sich teilweise ganze Schulklassen vom Religionsunterricht ab.
Nachdem Bayern bereits 1972 Ethikunterricht einführte, starteten im Jahre 1997 auch hierzulande Ethikschulversuche, anfänglich an acht Schulstandorten, mittlerweile an 234. Die ministeriell beauftragte Evaluation der Versuche im Jahre 2000 brachte unter anderem zu Tage:
- Obschon viele SchülerInnen anfänglich um ihre Freistunde trauerten, stieß das Fach sehr bald auf hohe Resonanz.
- Ein Jahr zusätzlicher Ethikunterricht reduzierte Fremdenfeindlichkeit und stärkte in SchülerInnen das Wissen dafür, was ethisch richtig und was falsch ist, sowie die Bereitschaft, entsprechend zu handeln.
- EthiklehrerInnen gelang es, in kulturell-religiös sehr heterogenen Klassen eine Atmosphäre der Toleranz zu schaffen.
Trotz dieser sehr positiven Ergebnisse unternahm die damalige Ministerin Elisabeth Gehrer nichts. Dies auch deswegen, weil die Kirche nicht offiziell für Ethikunterricht eintrat. Die Bischofskonferenz äußerte sich erst positiv für Ethikunterricht für jene SchülerInnen, die nicht Religionsunterricht besuchen, nachdem Unterrichtsministerin Claudia Schmied ihre Präferenz für Ethik für alle bekundet hatte. Immerhin kam im Mai 2011 eine parlamentarische Enquete zustande, bei der in einem Punkt Einigkeit bestand: „Vierzehn Jahre Schulversuch sind genug.“
Die Zeit ist überfällig: Nicht zuletzt wegen der gewachsenen Herausforderungen braucht es einen weltanschaulich neutralen verbindlichen Ethik- und Religionenunterricht ab der Sekundarstufe.
Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

Trackback URL:
http://haraldwalser.twoday.net/stories/1022399249/modTrackback

Kommentare

Am meisten gelesen...

1 28868 11.05.11 Will Strache Brenner-Grenze verschieben? harald.walser 2 20888 01.05.08 Harald Walser - Lebenslauf harald.walser 3 18123 01.05.08 Meine Grundsätze harald.walser 4 14215 01.05.08 Bilder harald.walser 5 13555 11.10.08 Jörg Haider ist tot! harald.walser 6 13114 01.05.08 Kontaktdaten harald.walser 7 11291 01.05.08 Wahlplakate harald.walser 8 9878 03.11.08 Who's Nailin' Paylin? harald.walser 9 9737 26.03.14 TTIP: No, thanks! harald.walser 10 9537 11.03.11 Seminar: „Ideologie und Wirklichkeit des Nationalsozialismus“ harald.walser 11 9433 14.01.13 Bundesheer laut General „megasinnlos“ harald.walser 12 9419 16.12.11 „Wehrt euch - occupy Austria!“ harald.walser 13 9404 27.11.08 (Teil-)Zentralmatura - ein Fortschritt? harald.walser 14 9262 15.01.09 Cyberangriff gegen den Aufruhrversand harald.walser 15 9209 19.01.09 Zeichen der Hoffnung! harald.walser 16 9206 01.02.11 Karl Heinz Grasser - zu schön, zu jung, zu intelligent! harald.walser 17 9203 23.09.10 Ludwig XIV. als Vorbild für Josef Pröll? harald.walser 18 9177 21.10.08 Warum Martin Graf nicht wählbar ist! harald.walser 19 9152 16.11.09 Faymann und Strache als religiöse Fundis harald.walser 20 9082 08.05.09 Fernando Torres nach Altach? harald.walser 21 9049 23.01.10 „Reinrassig & Echt“ - blauer Stumpfsinn! harald.walser 22 8995 02.04.11 „Ein Denkmal für Deserteure“ harald.walser 23 8795 22.02.11 Was ist mit der Dissertation von Johannes Hahn? harald.walser 24 8697 12.10.08 Jörg Haider - und unser Umgang mit dem Tod harald.walser 25 7721 26.09.10 Wehrpflicht abschaffen! harald.walser