Freitag, 20. Februar 2009

Wie hältst Du´s mit der Religion?

Im Burgtheater habe ich am Sonntag eine tolle Aufführung von Goethes Faust miterleben dürfen. Und mir natürlich zum x-ten Mal Gretchens Frage an ihren Heinrich angehört und durch den Kopf gehen lassen: „Wie hältst Du´s mit der Religion?“ Sie fügt ja auch gleich hinzu: „Ich glaub’, du hältst nicht viel davon.“ Faust tut sich unendlich schwer bei der Antwort. Das erinnert doch irgendwie an die Diskussion um den Stellenwert des Religionsunterrichts an unseren Schulen - oder nicht?
Im Standard habe ich heute einen Kommentar der anderen zum Thema Religionsunterricht verfasst: "Religionsunterricht in der Krise - was tun?"
Und um es kurz zu machen: Wir brauchen die Auseinandersetzung mit Religion, wir müssen unsere Kinder mit den grundsätzlichen Fragen des Lebens konfrontieren. In welcher Form - darüber muss offen und ohne Scheuklappen diskutiert werden: „Angesichts ihrer Pluralität werden Auseinander­setzungen um allgemein verbindliche Grundwerte immer wichtiger. Deshalb ist eine fundierte Beschäftigung mit den Grundlagen unserer Kultur - speziell auch der diversen Religionen - unerlässlich. Wäre es da in einer demokratischen Gesellschaft nicht sinnvoll, wenn sich alle Kinder gemeinsam und unter sachkundiger Anleitung möglichst vorurteilsfrei damit auseinandersetzen? Wir brauchen also statt des jetzigen konfessionellen Religionsunterrichts einen "Allgemeinen Ethik- und Religionen-Unterricht".“
Ein Großteil der jetzigen katholischen und evangelischen ReligionslehrerInnen ist in der Lage so einen Unterricht durchzuführen - und macht es teilweise schon jetzt. Ich persönlich kenne auch islamische Religionslehrer, die diesem Anspruch gerecht werden. Wir brauchen für einen Ethik- und Religionen-Unterricht alerdings geeignete Lehrpläne und entsprechende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Neue Mittelschule: Chance oder Flop?

Unter diesem Titel hat gestern Abend in der Hauptschule Rankweil vor vollbesetztem Haus eine spannende Podiumsdiskussion stattgefunden. Der weite Weg von Wien ins Ländle hat sich gelohnt. Der "Arge Gemeinsame Schule" ist es mit einem hochkarätig besetzten Podium gelungen, einerseits das Positive der momentanen Entwicklung herauszuarbeiten (viel Bewegung und Engagement an den Hauptschulen, pardon: Neuen Mittelschulen), andererseits aber auch auf das zentrale Problem hinzuweisen: Solange die politisch Verantwortlichen im Land nicht klar das Ziel der Schulversuche vorgeben, kann das Ergebnis "nur" eine Verbesserung der Hautschule sein, nicht aber der notwendige Schritt hin zu einer gemeinsamen Schule.
Lassen wir aber am besten jemand anders erklären, warum das so ist. Karl Heinz Gruber, er lehrt Vergleichende Erziehungswissenschaft an der Universität Wien, hat im "Standard" die entscheidende Frage beantwortet, warum die Neue Mittelschule das Problem der zu frühen Auslese nicht beseitigen, sondern verschärfen wird. Und er hat erklärt, warum es bei uns in Sachen Bildungsreform noch immer keine konsequenten Schritte in die richtige Richtung gibt: Die gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen sei für die Konservativen im Land halt noch immer ein "Politisches Teufelszeug"!

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