Samstag, 2. August 2008

Katastrophe!

Wie definiert man Katastrophe? Wenn 312 Mitarbeiter des ehemaligen Dornbirner Textilgiganten F. M. Hämmerle ihren Arbeitsplatz verlieren (sollten), ist der Ausdruck sicher angebracht. Mehr als die Hälfte der akut von Arbeitslosigkeit gefährdeten Menschen ist über 50 Jahre alt.
Vordringlich ist die existenzielle Absicherung der Betroffenen (etwa in der angekündigten Form einer Arbeitsstiftung), zu beachten sind aber auch die psychologischen Auswirkungen auf die Arbeiterinnen und Arbeiter.
Da lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Bahnbrechend ist noch immer die breit angelegte Studie eines 17-köpfigen Teams unter Leitung von Marie Jahoda und Paul Lazarsfeld über die Arbeitslosen von Marienthal Anfang der 30er-Jahre. Dabei ging es erstmals nicht nur um die statistische Erfassung von Arbeitslosen, sondern um den Versuch, die psychischen und sozialen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Betroffenen und die Gemeinde darzustellen. Der Begriff der "müden Gemeinschaft" machte die Runde. Politisch brisant war (und ist!) auch die Festellung, dass sich bei einem großen Teil der Arbeitslosen durch das erzwungene Nichtstun Resignation und Aktivitätsunfähigkeit breitmachten - ein ideales Terrain für politische Rattenfänger!
Für Interessierte: http://agso.uni-graz.at/marienthal/studie/studie0.htm

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